Bundespräsident Christian Wulff hat den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) an dessen politische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe erinnert. "Zwar hat jeder als unschuldig zu gelten, dessen Schuld nicht bewiesen ist", sagte Wulff der Bild am Sonntag . "Doch unabhängig von konkreter persönlicher Schuld gibt es auch eine politische Verantwortung. Das alles wird der Oberbürgermeister genau abwägen müssen".

Auf die Frage, ob er einen Rat für Sauerland habe, antwortete Wulff: "Den würde ich ihm nur geben, wenn er mich darum bitten würde – und dann unter vier Augen."

Sauerland wird vorgeworfen, während der Planung der Loveparade in Duisburg Warnungen von Polizei und Feuerwehr ignoriert zu haben. Sauerland bestreitet das. In den vergangenen Tagen war Sauerland bereits von mehreren Seiten zum Rücktritt aufgefordert worden. Zuletzt hatte es in verschiedenen Medienberichten geheißen , der Oberbürgermeister sei zum Rückzug bereit. Er wolle allerdings keinen schnellen Rücktritt, sondern werde sich nach den Regeln der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung abwählen lassen.

Neben Sauerland stehen vor allem der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, in der Kritik . Schaller sagte in der Bild am Sonntag , er werde sich der Verantwortung stellen, auch der ganz persönlichen. Zuerst wolle er jedoch abwarten, was die laufende Untersuchung in Sachen Schuldfrage ergibt. Zu den Angehörigen der Opfer habe er noch keinen Kontakt aufgenommen. Er wolle nichts tun, was zu diesem Zeitpunkt als Provokation aufgefasst werden könnte. 

Wulff regte zur Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe die Einsetzung eines Ombudsmannes und die Einrichtung eines Hilfsfonds an. "Es geht darum, den Angehörigen zu zeigen, dass die gesamte Nation ihnen beisteht", sagte Wulff. Er verwies auf seine Erfahrungen mit Katastrophen während seiner Zeit als Ministerpräsident: "Am Tag des Transrapid-Unglücks haben wir in Niedersachsen einen Hilfsfonds eingerichtet und zu Spenden aufgerufen. 750.000 Euro kamen zusammen, mit denen schnell und unbürokratisch auch in solchen Fällen geholfen wurde, wo Versicherungen und andere nicht helfen können", sagte Wulff.

Zugleich forderte er, "organisatorische Konsequenzen" aus der Katastrophe zu ziehen: "In Zukunft muss sichergestellt sein, dass Kinder und Jugendliche bedenkenlos zu Großveranstaltungen fahren können." Wulff fügte hinzu: "Dazu gehört, dass die Verantwortlichen insbesondere das Internet als Frühwarnsystem nutzen. In Internetforen wurde schon früh vor einer Katastrophe mit Toten gewarnt."