Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender der RWE-AG, hat sich unmittelbar vor der Entscheidung der Bundesregierung zur Laufzeit-Verlängerung der Atomkraftwerke für einen Weiterbetrieb der Meiler um 20 Jahre ausgesprochen. "Eine Laufzeitverlängerung um bis zu 20 Jahre, so EWI und Prognos, führt zu den volkswirtschaftlich günstigsten Ergebnissen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . Die Entscheidung müsse aber die Politik treffen, und "die Wirtschaft wird mit dieser Entscheidung klarkommen."

An dem Spitzentreffen werden neben Kanzlerin Angela Merkel, die zuständigen Fachminister, die Parteichefs von FDP und CSU, Guido Westerwelle und Horst Seehofer, sowie die Fraktionsvorsitzenden der Koalition teilnehmen. Neben den Atomlaufzeiten geht es um weitere Eckpunkte das Energiekonzepts.

Geklärt werden soll, wie stark die Energiekonzerne für längere Laufzeiten zur Kasse gebeten werden sollen. Wahrscheinlich wird eine Atomsteuer beschlossen, die 2,3 Milliarden Euro pro Jahr bringen soll, aber zeitlich befristet ist .

Die Energiekonzerne müssen sich bei längeren Laufzeiten zudem auf erhebliche Nachrüstkosten einstellen, damit alle 17 deutschen Atomeiler gegen Abstürze großer Flugzeuge gesichert sind. Bei einer Verlängerung der Laufzeiten um 12 Jahre belaufen sich die Kosten einem Gutachten zufolge auf 20,3 Milliarden Euro.

Merkel hatte eine Spanne von 10 bis 15 Jahren für längere Laufzeiten genannt . Die Bundesregierung muss eine juristisch wasserdichte Lösung finden, da der Bundesrat wegen der dort fehlenden schwarz-gelben Mehrheit umgangen werden soll. Mehrere Bundesländer haben Klagen angekündigt, daher könnte das Bundesverfassungsgericht wohl das letzte Wort haben. Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel drohte am Samstag nochmals mit einer Verfassungsklage, falls die Regierung die Länderkammer nicht beteiligen sollte.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zeigte sich optimistisch, dass sich Union und FDP trotz weiter bestehender Differenzen auf ein Konzept einigen können: "Zwar liegt vor uns noch ein hartes Stück Arbeit, weil wir in einigen wichtigen Detailfragen noch keine Einigung haben. Aber ich bin sicher, dass wir jetzt zügig zu einer klugen Entscheidung kommen werden", sagte er.

Allerdings gab es in der Koalition bis zuletzt Streit über die Verlängerung der Laufzeiten . Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) attackierte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), weil dieser angeblich die Ergebnisse des Regierungsgutachtens zur Energiepolitik infrage stellt.

Söder sagte, Röttgen versuche durch Trickserei, die Entscheidung zur Laufzeitverlängerung zu verzögern. "Sein Verhalten in der Frage der Laufzeitverlängerung ist eine Hypothek für die Verhandlungen." Der Umweltminister tritt im Gegensatz zu weiten Teile der Union und der FDP für eine möglichst zurückhaltende Verlängerung der Laufzeiten ein.

Nach einem Greenpeace-Gutachten, über das die Süddeutsche Zeitung berichtete, muss jede Atomlaufzeiten-Verlängerung auch in Brüssel abgesegnet werden. Das könnte das deutsche Gesetzesverfahren in die Länge ziehen. Überprüfungen dieser Art gehören allerdings nach Experten-Meinung zur Praxis der Gesetzgebung, wenn EU-Vorgaben berührt sind.