Thilo Sarrazin steht im Vorstand der Bundesbank offenbar kurz vor dem Rauswurf. Nach einer Krisensitzung am Mittwoch ließ die Bank die Zukunft ihres umstrittenen Vorstandsmitglieds noch offen. Allerdings sprach sich der Vorstand nach Informationen der Berliner Zeitung für die Trennung von Sarrazin aus. Die Zeitung beruft sich auf "eine mit der Situation vertraute Person".

Sarrazin wird vorgeworfen, mit seinen Thesen zur mangelnden Integration muslimischer Einwanderer das Ansehen der Zentralbank zu schädigen. "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende", zitiert die Zeitung ihre nicht näher bezeichnete Quelle. Weil Sarrazin auf jeden Fall gegen eine Entlassung klagen würde, sucht die Bank dem Bericht zufolge nach einem Weg, der ihm möglichst wenige juristische Erfolgschancen lässt.

Sarrazin selbst schloss sein vorzeitiges Ausscheiden nicht aus: "Jedes Amt ist zeitlich begrenzt. Wann die Begrenzung ist, wird die Zukunft zeigen", sagte er in der ARD. Regulär endet sein Vertrag 2014.

Ein Sprecher der Bundesbank hatte zuvor gesagt, mit einer Entscheidung sei frühestens am heutigen Donnerstag zu rechnen.

Sarrazin könnte auf Antrag des Vorstands von Bundespräsident Christian Wulff abberufen werden. Dieser sieht durchaus Spielraum: "Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet – vor allem auch international", sagte er dem Sender N24.

Auch aus der Bundesregierung kam der Wunsch nach einer Entlassung. Finanzminister Wolfgang Schäuble sprach von "unverantwortlichem Unsinn" und wählte damit noch deutlichere Worte als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sagte: "Die Bundesbank ist jetzt am Zuge", Sarrazin sei "nicht mehr tragbar."

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hielt dem Protest entgegen, die Empörung über Sarrazins Worte ersetze nicht die "ehrliche Auseinandersetzung" mit "Fehlentwicklungen bei Migration und Integration". Der Vorsitzende des Innenausschusses Wolfgang Bosbach (CDU) wandte sich gegen den von der SPD-Spitze angestrebten Ausschluss Sarrazins aus SPD und Bundesbank. Sarrazin nutze nur sein Recht auf freie Meinungsäußerung, er vergaloppiere sich allerdings, sagte er. 

Auch die SPD ist sich uneins über den Ausschluss des ehemaligen Berliner Finanzsenators. Parteichef Sigmar Gabriel sagte, Sarrazin habe eine rote Linie überschritten. Von der Basis war aber auch Widerstand gegen einen Rausschmiss zu vernehmen.