Die Präsidien von CDU und CSU haben sich auf eine Reform der Bundeswehr und die Aussetzung der Wehrpflicht geeinigt und werden diese Pläne ihren Parteitagen in Karlsruhe und München zur Abstimmung vorlegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, eine Richtungsvorgabe sei wichtig, damit die Parteimitglieder eine sachgerechte Entscheidung treffen könnten.

Mit dem Votum beider Führungsgremien ist so gut wie sicher, dass künftig erstmals seit 53 Jahren keine jungen Männer mehr zur Bundeswehr eingezogen werden. Die Wehrpflicht, die zu den traditionellen Säulen der Unionspolitik gehört, soll aber nicht abgeschafft, sondern nur ausgesetzt werden und für Notfälle im Grundgesetz verankert bleiben. Zuletzt hatte CSU-Chef Horst Seehofer eingelenkt und sich damit hinter die Pläne seines Parteikollegen, Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, gestellt.

Unklar ist noch, wie groß die Bundeswehr sein soll . Die Unions-Präsidien konnten sich bislang auf keine konkrete Zahl einigen. Klar ist nur, "dass die Truppenstärke deutlich über das bisher Bekannte ausgedehnt werden muss", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in Berlin. Denn die bislang genannte Untergrenze von 163.500 Mann sei "deutlich zu klein ist". Parteikreisen zufolge sind nun zwischen 180.000 bis 190.000 Mann im Gespräch – statt bisher 250.000 Soldaten.

Falls die Pläne des Verteidigungsministers umgesetzt werden, würde dies auch das Ende des bisherigen Zivildienstes bedeuten. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder plant einen freiwilligen Zivildienst mit 35.000 Stellen pro Jahr und sieht sich dabei mit neuen Forderungen aus Bayern konfrontiert. Die CSU fordert mehr Geld für neue Freiwilligendienste in den Ländern und will Doppelstrukturen vermeiden.

Die Bundesregierung will die freiwilligen Jugenddienste in den Ländern weiter fördern. Im Haushalt 2011 würden die Mittel um 30 Millionen Euro erhöht, sagte Familienstaatssekretär Josef Hecken (CDU). "Wir werden das auch versuchen, bis an die Grenze dessen, was möglich ist, in Zukunft fortzuführen." CSU-Vize Barbara Stamm kritisierte jedoch eine mangelnde Abstimmung mit den Ländern. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer soll bei der gemeinsamen Sitzung der Unions-Spitzen gar mit Hecken aneinandergeraten sein.Einem Bericht der Berliner Zeitung zufolge habe Haderthaer sogar damit gedroht, dem Vorhaben nicht zuzustimmen. Es sei eine sehr emotionale Debatte gewesen, hieß es weiter.