"Danke", "Gut gemacht", stand auf den Transparenten, die Menschen am Flughafen den Veteranen entgegenstreckten. In den USA wurden die jüngst aus dem Irak-Krieg heimkehrenden Soldaten als Helden gefeiert. Die Aufforderung " support our troops " ("unterstützt unsere Truppe") nehmen viele Amerikaner ernst. Und das, obwohl dort zuletzt immer weniger Menschen von der Sinnhaftigkeit des Irak-Krieges überzeugt waren. Die Leistung der Soldaten wird anerkannt, auch von denen, die die Strategie kritisieren. Selbst die amerikanische Friedensbewegung, die gegen die Kampfeinsätze in Irak und Afghanistan protestiert, kritisiert die politische und die militärische Führung – nicht die " boots on the ground ", nicht die einfachen Soldaten.

Wohin amerikanische Soldaten geschickt werden, das entscheidet allein die Regierung. Die deutsche Bundeswehr dagegen ist keine Regierungsarmee – die Verantwortung für sie trägt der Bundestag. Dessen Abgeordneten entscheiden, ob und wie deutsche Soldaten in Afghanistan kämpfen sollen. Jedes Jahr müssen die Politiker in namentlicher Abstimmung entscheiden, ob das Mandat verlängert wird. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Eine Volksarmee ist sie nicht.

Undenkbar scheint, dass Deutsche am Flughafen Fahnen schwingend auf ihre Soldaten warten. Nein, gefeierte Helden sind die Frauen und Männer der Bundeswehr nicht. Das wollen viele Soldaten auch gar nicht sein – sie fordern nur Anerkennung für ihre Arbeit. Und die, das beklagen sie immer wieder, wird ihnen in Deutschland versagt. Das Desinteresse vieler Bürger verärgert die Soldaten, die Ablehnung ihrer Mission irritiert die Staatsbürger in Uniform, die sich und ihre Armee als Teil der Gesellschaft betrachten.

Doch in Deutschland scheint die Distanz zwischen Gesellschaft und Armee stetig zu wachsen. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat dieses Verhältnis in zwei Wörtern perfekt beschrieben: Er sprach vom "freundlichen Desinteresse" gegenüber der Bundeswehr in der Bevölkerung. "Gewiss, die Bundeswehr ist gesellschaftlich anerkannt; aber was heißt das eigentlich genau?", fragte Köhler damals. "Die Deutschen vertrauen der Bundeswehr, mit Recht, aber ein wirkliches Interesse an ihr oder gar Stolz auf sie sind eher selten."

Wie schwach das Vertrauen in die Armee ist, zeigen die Debatten um öffentliche Gelöbnisse, Orden für Soldaten im Einsatz und das Ehrenmal der Bundeswehr. Aber auch in der Armee ist wenig Vertrauen in die Politik und Bevölkerung zu spüren. Immer offener klagen Soldaten über die von ihnen vermisste Unterstützung. Das von Köhler angeprangerte Desinteresse trifft ihrer Meinung mehr zu denn je. Und das, obwohl die Frauen und Männer in Afghanistan das Leben riskieren für ihr Land – zumindest sehen sie das so.

Die Mehrheit der Deutschen will das gar nicht: Zwei Drittel befürworten in Umfragen einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Zum einen, weil sie nicht wollen, dass in einem fernen Land mit keineswegs rosiger Zukunft deutsche Soldaten sterben. Zum anderen aber auch, weil viele Menschen hierzulande gar nicht wissen, was die Soldaten am Hindukusch tatsächlich tun. Weil sie es nicht wissen wollen. 

Und so halten sich hartnäckig Klischees aus den ersten Einsatzjahren: Etwa, dass die Soldaten gar nicht die Feldlager verlassen. Dass Deutsche einfach nicht kämpfen können und die Amerikaner sowieso alles alleine machen. Die Leistung der Soldaten, Afghanistan wenigstens teilweise sicherer zu machen, wird nicht gewürdigt, von Kritikern des Einsatzes eher abgetan. Und oft ist zu hören, dass die Soldaten nicht klagen sollen, Krieg sei doch ihr Job. Auch das ist eine Form des Desinteresses.

Ein "unfreundliches Desinteresse" sei es mittlerweile, analysiert der Blogger Boris Barschow. Er macht dafür ebenfalls fehlende Informationen verantwortlich: "seit dem wir den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr Krieg nennen dürfen, die Sicherheitslage am Hindukusch immer unübersichtlicher wird, kapriziert sich die Medienberichterstattung weiterhin nur auf Tod und Terror."  In Deutschland gebe es keine Debatte, was Deutschland eigentlich in Afghanistan wolle. Das Desinteresse betrifft nicht nur die Bundeswehr – auch die Fragen der Sicherheitspolitik locken heute niemanden mehr auf die Straße: Proteste wie gegen Pershing-II-Raketen auf deutschem Boden gibt es seit Langem nicht mehr, auf den Ostermärschen kommen Veteranen der Protestbewegung wie zu Klassentreffen zusammen.

Köhler prägte den Begriff vor fünf Jahren. Seine wichtige Rede auf der Kommandeurstagung in Bonn sorgte aber zunächst nur innerhalb der Bundeswehr für Diskussion. Demokratien tun sich schwer mit der Kriegsführung – und das zu Recht. Mehr als eine Billion Dollar habe die USA der Krieg in Irak gekostet, sagte Präsident Obama. Auch Deutschland hat gewaltige Summen in Afghanistan investiert, von mehr als sechs Milliarden Euro sprechen Experten. Bisher ohne nachhaltigen Erfolg – sieht man davon ab, dass Mädchen mancherorts wieder zur Schule gehen können und einige Distrikte als sicher gelten. Hinzu kommt, dass viele Afghanen längst auch die deutschen Soldaten als Besatzer sehen.