Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 sorgt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt noch immer für Protest: Mehr als 1500 Demonstranten zogen vor den Amtssitz von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und protestierten dort unter dem Motto "Mappus, tritt unsere Argumente nicht mit Füßen". Die S-21-Gegner warfen Schuhe auf das abgesperrte Gelände und klebten ihre auf Zettel und Pappen geschriebenen Argumente auf den Boden.

Seit dem Beginn der Abrissarbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof vor einer Woche mobilisieren die Gegner des Milliardenprojekts immer wieder Tausende Unterstützer. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des stern finden die Protestierenden breiten Rückhalt in Baden-Württemberg: 51 Prozent der Bevölkerung sind demnach gegen Stuttgart 21, nur 26 Prozent dafür. Der Umfrage zufolge sagten 29 Prozent, ihre Einstellung zu dem Projekt werde ihre Wahlentscheidung bei der Landtagswahl im März 2011 beeinflussen.

Der Streit um das Bahnprojekt bringt deshalb auch die Regierung von Baden-Württemberg in Bedrängnis. Laut Forsa-Umfrage liegt die CDU/FDP-Regierung bei den Wählern zurzeit deutlich hinter Rot-Grün. Die CDU bekäme demnach 37 Prozent der Stimmen, das sind 7,2 Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2006. Die FDP würde bei einem Minus von 4,7 Punkten nur noch auf sechs Prozent der Stimmen kommen.

Die großen Gewinner der Umfrage sind die Grünen, die Stuttgart 21 als einzige Landtagspartei ablehnen. Sie erreichen aktuell 24 Prozent der Stimmen, ebenso viele wie die SPD. Für die Linkspartei sieht Forsa vier Prozent Zustimmung.

Trotz dieser großen Ablehnung des neuen unterirdischen Bahnhofs erwartet Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer keinen Erfolg der Gegner von Stuttgart 21. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Projekt abgeblasen wird", sagte der CSU-Politiker. Anders als von den Gegnern behauptet, bewegten sich die Kosten auch weiter im geplanten Rahmen von 4,1 bis 4,5 Milliarden Euro. Ramsauer begrüßte ausdrücklich, dass sich Gegner und Befürworter nun an einen Tisch setzen wollen.

Bahn-Chef Rüdiger Grube übte scharfe Kritik an den Gegnern der geplanten unterirdischen Durchgangsstation, die den Kopfbahnhof in Stuttgart ablösen soll. "Das Projekt wird von allen Seiten instrumentalisiert. Man kann die Bevölkerung nicht an der Nase herumführen." 

Stuttgart 21 gilt als das aktuell größte Infrastrukturprojekt in Europa. Neben dem neuen Hauptbahnhof gehört dazu auch eine neue Schnellbahnstrecke nach Ulm, die zu schnelleren Fernverbindungen führen soll.