Der CDU-Sozialflügel kritisierte die Gesundheitsreform der schwarz-gelben Bundesregierung als "sozial unausgewogen und bürokratisch". "Die Finanzierung des Sozialausgleichs in der Krankenversicherung über Steuergelder bedeutet Gerechtigkeit nach Haushaltslage", sagte der Vizechef der CDU-Sozialausschüsse, Christian Bäumler.

"Wie schnell ein Sozialausgleich über den Bundeshaushalt gekippt werden kann, zeigt das aktuelle Sparprogramm der Bundesregierung, das vor allem bei Arbeitslosen und Geringverdienern ansetzt." So werde der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung im Zuge des Sparprogramms um 2,1 Milliarden Euro gekürzt. Bäumler fügte hinzu: "Wir lehnen den geplanten pauschalen Zusatzbeitrag und die Fixierung des Arbeitgeberanteils ab. Arbeitnehmer, Familien und Rentner dürfen mit den steigenden Gesundheitskosten nicht alleine gelassen werden."

Die CSU verlangte Änderungen. Aus bayerischer Sicht bestehe "erheblicher Nachbesserungsbedarf", sagte Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU). Verbesserungen müsse es geben bei der Verteilung der Ärztehonorare auf die einzelnen Bundesländer und bei den Hausarztverträgen. "Es kann nicht sein, dass auf die bayerischen Patienten höhere Beiträge zukommen, aber die Leistungen möglicherweise sinken."

Die SPD, Grünen und Linken warfen der Koalition vor, das Ende des Solidarsystems einzuläuten. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte die geplante Gesundheitsreform schon vor der Verabschiedung durch das Kabinett als "schlicht und ergreifend ungerecht" und "dreiste Klientelpolitik" zugunsten der Pharmaindustrie bezeichnet. Die Steigerung der Kosten im Gesundheitssystem werde in Zukunft "einseitig auf Arbeitnehmer" verlagert. Weiterhin würden jene Patienten in den Krankenzimmern bevorzugt, die in einer privaten Krankenversicherung seien. "Ich will, dass die Schwere der Krankheit über die Behandlung entscheidet", sagte Nahles.

Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte die Reform: "Herr Rösler macht einen Vorschlag, bei dem tatsächlich der Krankenversicherung die Solidarität ausgetrieben wird." Am Ende müssten alle die gleiche Kopfpauschale bezahlen. Es sei ein Fehler, dass die Arbeitgeberbeiträge auf 7,3 Prozent festgeschrieben werden sollen. "Bei den Arbeitnehmern wird immer draufgelegt." Künast meldete Zweifel an, dass der Sozialausgleich tatsächlich kommt. "Das möchte ich erstmal sehen angesichts einer Rekordverschuldung und einer Schuldenbremse." Die Gesundheitsreform sei eine "Klientelbedienung" für FDP.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Martina Bunge, monierte, die Gesundheitsreform sei "ein einziger Raubzug durch die Portemonnaies von Gering- und Normalverdienern und Patienten". Das Gesundheitssystem ließe sich ohne Kopfpauschale, Praxisgebühr und immer höhere Zuzahlungen gerechter finanzieren, "wenn die Koalition nicht dauernd Normalverdiener und Patienten zur Kasse bitten würde".