Die Gesundheitsreform der schwarz-gelben Koalition ist umstritten, die SPD kündigte jetzt an sie zu kippen. "Von dieser Reform wird nichts übrig bleiben, wenn wir wieder Verantwortung übernehmen", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Dies sei auch die Sicht der Grünen. Mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung würden die Krankenversicherungskosten für Kassenmitglieder doppelt so schnell steigen wie bisher, sagte Lauterbach der Augsburger Allgemeinen und kritisierte eine "einseitige Belastung der Arbeitnehmer". Er erwarte als Folge künftig wesentlich härtere Tarifkämpfe in Deutschland, weil die Gewerkschaften einen Ausgleich für die Übernahme der Gesundheitskosten verlangen würden. 

Auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig kritisierte Gesundheitsminister Phillip Rösler (FDP) wegen der Reform der Krankenversicherung scharf: "Das ist ein eiskaltes Sparpaket des Bundesministers". Bei den Beschlüssen könne gar nicht von einer Gesundheitsreform die Rede sein, weil keine Verbesserungen auf den Weg gebracht würden.

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) nannte den am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf "aus bayerischer Sicht enttäuschend". Söder sprach von erheblichen Nachteilen für Patienten und Ärzte im Freistaat und verlangte Nachbesserungen bei der Gesundheitsreform zugunsten seines Bundeslandes. Die Ärzte in Bayern hätten steigende Praxiskosten, das müsse honoriert werden. Darüber hinaus bestehe "große Sorge, was die Zukunft der Hausarztverträge betrifft", sagte Söder. Hier gebe es zwar einen Bestandsschutz bis zum Jahr 2012, aber "wie es danach weitergehen soll, ist unklar".

Das Kabinett hatte am Mittwoch die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Demnach sollen die Krankenkassenbeiträge zum 1. Januar von 14,9 auf 15,5 Prozent steigen, wobei Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Erhöhung um 0,6 Prozentpunkte je zur Hälfte tragen. Allerdings müssen künftige Kostensteigerungen allein von den Arbeitnehmern über die Zusatzbeiträge gestemmt werden. Zusatzbeiträge sollen allein die Arbeitnehmer tragen und sie werden immer pauschal fällig, unabhängig vom Einkommen. Ab 2012 sollen sie allmählich steigen. 2020 könnten es im Schnitt 80 Euro im Monat sein, sagte der Ökonom Jürgen Wasem . Die Reform stößt auch bei Arbeitgebern, Gewerkschaften, Krankenkassen und Sozialverbänden auf Kritik.