Es lässt sich viel kritisieren am Hartz-IV-Paket der Bundesregierung . Für Erwachsene gibt es nur lächerliche fünf Euro mehr im Monat, die Regelsätze für Kinder werden nicht einmal an die Inflationsentwicklung angepasst. Ebenso steht die schwarz-gelbe Koalition weiterhin im Verdacht, die 364 Euro, die es vom 1. Januar an geben soll, als politische Zahl gesetzt zu haben . Der Vorwurf: Der neue Satz stand schon fest, noch bevor die tatsächlichen Bedürfnisse der Langzeitarbeitslosen überhaupt ermittelt worden waren.

Das Bildungspaket für Kinder, auf das Ursula von der Leyen so stolz ist, gibt ebenfalls Anlass zu Unzufriedenheit. Im Fall des "Schulbasispakets", aus dem Dinge wie Schulranzen und Taschenrechner finanziert werden sollen, lobt sich die Arbeitsministerin für etwas, das schon die Große Koalition einführte. Damals hieß es nur anders: Schulbedarfspaket. Den Extra-Zuschuss von einem Euro fürs Mittagessen gibt es nur, wenn die Schule eine Mahlzeit anbietet. Muss sich das Kind beim Bäcker versorgen, geht es leer aus. Und die Zuschüsse für Nachhilfe sind an grotesk viele Ausnahmen gekoppelt.

Dennoch: Das Bildungspaket ist mehr, als eine Bundesregierung jemals für Kinder von Langzeitarbeitslosen getan hat. Zum ersten Mal werden die sozialen, kulturellen und schulischen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt. Zum ersten Mal findet sich der Staat nicht mehr damit ab, dass Hartz-IV-Kinder allein wegen ihren Eltern ausgegrenzt und dadurch womöglich ebenfalls in eine Hartz-IV-Karriere gedrängt werden. Das Bildungspaket ist eine kleine Revolution.

Durchgesetzt wurde es von einer Ministerin, der bisher noch jedes Amt zu klein war. Als Familienministerin war sie schon auf Feldern unterwegs, die nicht die ihre waren (Internet-Sperren). Doch auch das Arbeitsministerium, immerhin das Haus mit dem größten Etat, reicht ihr nicht. Das Bildungspaket schuf von der Leyen quasi als Arbeits-, Familien- und Bildungsministerin in Personalunion.

Das ist der Haken des gesamten Projekts: Was die neue Superministerin erdachte, droht von einer neuen Superbehörde umgesetzt zu werden – den Jobcentern. Dort sitzen Beamten, die schon jetzt große Probleme haben, sich in die Alltagsprobleme ihrer Kunden hineinzudenken. Nun zeichnet sich ab, dass eben jene Jobcenter-Bürokraten künftig auch darüber entscheiden werden, ob einem Kind Nachhilfe genehmigt wird oder nicht. Sie müssen beurteilen, ob es darum geht, "vorübergehende Lernschwächen" zu beheben und ob es im Ort kein entsprechendes Schulangebot gibt. Sie müssen darüber befinden, welche Freizeiteinrichtungen oder Sportvereine in der Gemeinde für Hartz-IV-Kinder infrage kommen.

Das alles aber kann eine Behörde nicht leisten, deren Kernaufgabe darin besteht, Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Zumal es längst Institutionen gibt, die sich mit Kindern und ihren Bedürfnissen viel besser auskennen: Schulen und Jugendämter.