Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bekommt Gegenwind von der Nato: Der ranghöchste deutsche Nato-General, Egon Ramms, kritisiert die geplante Bundeswehrreform des CSU-Politikers. Er habe seine Pläne nicht mit der Nato abgestimmt. "Ich bin erstaunt, dass die Bundeswehr Planungen aufstellt, bevor der entsprechende Entscheidungsprozess und Beratungsprozess in der Nato abgelaufen ist", sagte Ramms in einem Interview mit dem Handelsblatt .

Auf einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses wurde der abschließende Bericht des Generalinspekteurs Volker Wieker zur Bundeswehrreform vorgelegt. Demnach droht im Bereich Verteidigung selbst bei optimalem Reformverlauf eine Finanzierungslücke von etwa drei Milliarden Euro, wie die Leipziger Volkszeitung unter Berufung auf das 62 Seiten dicke Papier berichtete. Das von Guttenberg und Wieker favorisierte Truppenmodell mit 163.500 Soldaten führe lediglich zu einer Einsparung von etwas mehr als fünf Milliarden Euro. 

Verteidigungsminister Guttenberg zeigte sich dennoch zuversichtlich über die Einigungschancen bei der geplanten Bundeswehrreform. Bei den Beratungen sei "sehr viel Konsens" erkennbar gewesen. Sein Reformmodell sieht eine Aussetzung der Wehrpflicht vor. Dabei ließen sich trotzdem die von Deutschland eingegangenen Bündnisverpflichtungen einhalten, sagte der Verteidigungsminister. Die Vorgabe des Kabinetts, bis 2014 insgesamt 8,3 Milliarden Euro einzusparen, bezeichnete Guttenberg als "ambitioniert".

Umstritten blieb auch die Zukunft der Wehrpflicht: In der Frage gebe es noch immer Diskussionsbedarf, sagte der CDU-Verteidigungsexperte Ernst Reinhard. Die FDP-Abgeordnete Elke Hoff sagte, die Liberalen begrüßten die geplante Aussetzung.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Bundeswehr und Sicherheit beim SPD-Parteivorstand, Walter Kolbow, warf Guttenberg vor, sich in der Frage von den Entscheidungen der Parteitage von CSU und CDU abhängig zu machen. Teile der Union lehnen das von Guttenberg befürwortete Aussetzen der Wehrpflicht ab.

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, stellte sich indes hinter Guttenberg. "In sechs Monaten kann man keinen jungen Mann so ausbilden, dass er eine sinnvolle militärische Aufgabe erfüllen kann", sagte Naumann zu bild.de. "Das sollten die Herrschaften aus Bayern auf dem für sie ungewohnten Weg des Nachdenkens mal nachvollziehen", sagte der Ex-General weiter mit Blick auf Widerstände in der CSU gegen eine Abkehr von der Wehrpflicht.