Vertreter von Hilfsorganisationen haben den Vorschlag von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) kritisiert, private Spenden auf die öffentliche Entwicklungshilfe anzurechnen. "Wenn die Wohltaten der Bürger dem Staat zugerechnet werden, bringt das keinen einzigen Euro zusätzlich für die Armutsbekämpfung", sagte der Geschäftsführer des Hilfswerks Misereor, Martin Bröckelmann-Simon, der Frankfurter Rundschau . "Wir brauchen eine Menge frisches Geld", forderte er angesichts der noch nicht erreichten UN-Millenniumsziele .

Ulrich Post, Chef eines Zusammenschlusses von 100 deutschen Nichtregierungsorganisationen, nannte den Vorstoß des Ministers eine "statistische Trickserei", um die Entwicklungshilfeleistungen zu erhöhen. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf der Bundeskanzlerin gar "Wortbruch" in der Entwicklungspolitik vor.

Deutschland hat zugesagt, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die staatliche Entwicklungshilfe fließen zu lassen. Andere Länder wie Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden erfüllen dieses Ziel schon jetzt.

Nach FR -Angaben , wird die sogenannte ODA-Quote, die den Anteil der staatlichen Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen misst, in diesem Jahr bei 0,4 Prozent liegen und somit deutlich unter den Zusagen bleiben. Bis 2014 sieht die Finanzplanung der Bundesrepublik sogar eine Kürzung im Entwicklungsressort vor.

Dass die zugesagten 0,7 Prozent allein aus öffentlicher Hand zu finanzieren seien, hält Niebel nach eigenen Worten für "nicht realistisch".

Ob Niebel das Vorhaben durchsetzen kann, ist unklar. Die Entscheidung darüber, was auf die ODA-Quote angerechnet werden darf, liegt bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dort könnte Niebel seine Pläne nur zusammen mit allen 33 Mitgliedsstaaten durchbringen. Andere Länder erreichen die angestrebten 0,7 Prozent jedoch auch ohne Hilfe aus Privathaushalten, weshalb Einstimmigkeit unwahrscheinlich ist. Auch das Finanzministerium steht Niebels Vorschlag skeptisch gegenüber, da er offenbar mit erheblichen Verwaltungskosten verbunden wäre.