Vollzeitbeschäftigte verdienen im Osten nur rund drei Viertel des Westniveaus. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre habe der Osten bei Verdiensten zwar zugelegt, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler. "Dieser Angleichungsprozess kam jedoch in den Folgejahren so gut wie zum Erliegen."

Erhielten die Beschäftigten 1991 nur 47 Prozent des Westniveaus, verdienten sie fünf Jahre später bereits 73 Prozent vom Lohn oder Gehalt ihrer Kollegen in den alten Ländern. 2009 stieg dann das Verdienstniveau des Ostens auf 77 Prozent.

Auf dem Arbeitsmarkt sei die Einheit eher noch Wunschdenken, sagte Egeler. So ist etwa der Anteil der Hartz-IV-Empfänger an der Bevölkerung im Osten mit 17 Prozent deutlich höher als im Westen mit 8 Prozent.

Der Amtschef präsentierte neben dem Statistischen Jahrbuch 2010 auch eine Sonderveröffentlichung 20 Jahre Deutsche Einheit – Wunsch und Wirklichkeit . Demnach haben sich die Lebensumstände in den Bundesländern zwar in vielen Bereichen angeglichen, doch es gibt auch deutliche Unterschiede.

Sportvereine besuchen nur 16 Prozent der Einwohner im Osten, im Westen sind es 40 Prozent. Die Ostdeutschen verbrauchen bis zu einem Drittel weniger Wasser als der Bundesdurchschnitt. Auch leben heute im Osten etwa 1,7 Millionen weniger Menschen als noch vor der Wende, im Westen stieg die Einwohnerzahl. Zudem sank die Geburtenzahl im Osten deutlich stärker als im Westen.

Bei der Betreuung von Kindern liegt der Osten jedoch weit vorn. Im Schnitt besuchen 45 Prozent der unter Dreijährigen eine Kita und damit drei Mal so viele wie im Westen. Anfang der Neunziger war der Unterschied noch größer, denn im Westen stieg die Quote stark, im Osten sank sie leicht.

Bei der Lebenserwartung, den Telefonanschlüssen, der Ausstattung der Haushalte und dem, was die Bürger in Ost und West konsumieren, gibt es dagegen kaum noch Unterschiede. "Um von einheitlichen Lebensbedingungen und Lebensverhältnissen sprechen zu können, gibt es noch eine Menge zu tun", sagte Egeler. Er bezog diese Aussage auch auf Vergleiche zwischen Stadt und Land sowie Nord und Süd.

Innenminister Thomas de Maizière hatte vor Kurzem eingeräumt, dass es annähernd gleiche Einkommen womöglich erst in zehn Jahren geben werde. Vor allem die großen Unterschiede bei der Vermögensverteilung dürften erst in ein oder zwei Generationen überwunden sein.