An dem runden Stehtisch im Vorraum der Stadthalle Hiltrup steht es zunächst 2:1 für Armin Laschet. Drei Männer im besten Alter stippen ihre Bouletten in den Senf. "Wir brauchen jemand, der im Landtag Rederecht hat", sagt Peter Kempker, Stadtrat im münsterländischen Ibbenbüren, ein kräftiger großer Mann mit grau-braunen Locken. Sein Fraktionsgenosse Norbert Westphal pflichtet ihm bei.

Der weißhaarige CDU-Ortsvorsitzende von Ostbevern, Eduard Silge, ist anderer Meinung. Er wünscht sich für seine Partei "Jugend und Frische". Und die verspricht er sich eben nicht vom früheren nordrhein-westfälischen Integrationsminister, sondern von dem smarten Umweltminister aus Berlin, Norbert Röttgen. Einig sind sich die Drei jedoch in anderer Hinsicht: Die Basis werde zu wenig gehört, klagen sie.

Mit der Veranstaltung, zu der die drei Herren an diesem Abend gekommen sind, versucht die CDU allerdings, es genau in dieser Hinsicht einmal anders zu machen. Der Landesverband in Nordrhein-Westfalen braucht einen neuen Vorsitzenden, zwei Kandidaten stehen zur Auswahl und nun sollen die Mitglieder entscheiden.

Zur ersten von insgesamt acht Regionalkonferenzen, auf denen die Konkurrenten für sich werben wollen, sind mit rund 700 CDU-Mitgliedern und Gästen so viele Interessierte gekommen, dass längst nicht alle einen Sitzplatz finden. Für die kommenden Veranstaltungen gibt es ähnlich viele Anmeldungen. Abgestimmt wird dann im Oktober.

Um acht nach sieben betreten die beiden Matadore den Ring – angeführt von dem Mann, der im Moment noch das Amt innehat, das beide nun anstreben: Jürgen Rüttgers. Er wolle ein Moderator des Übergangs sein, hatte der nach der verlorenen Landtagswahl im Mai gesagt. An diesem Abend übernimmt er diese Rolle im wörtlichen Sinne.

Beide Kandidaten gaben sich im Vorfeld siegesgewiss. Röttgen, der sich in Berlin den spöttischen Spitznamen "Muttis Klügster" eingehandelt hat, setzt auf seine bundespolitische Bekanntheit. Laschet kann auf die Unterstützung wichtiger Landespolitiker verweisen. Auf dem Podium allerdings ist es der Umweltminister, der schon in den ersten Minuten mehr Selbstsicherheit ausstrahlt. Weit zurück gelehnt sitzt er auf seinem Stuhl, während Laschet nervös in seinen Unterlagen blättert.

Per Losverfahren wurde zuvor bestimmt, dass Laschet die Debatte eröffnen darf. Beiden Kandidaten stehen 15 Minuten für ihre Selbstdarstellung zu.

Laschet schwenkt zunächst auf die große historische Linie ein. Er schildert, wie er mit 18 in die CDU eintrat, geworben von einem Pfarrer aus dem NS-Widerstand. Erzählt von seiner Begeisterung für den jungen Helmut Kohl und davon, wie die CDU schon damals gegen die Einheitsschulpläne der SPD gekämpft habe.

Er versucht aber auch zu erklären, was heute anders ist. Damals, in den 70er und 80er Jahren sei der Standpunkt der CDU schon wegen des Ost-West-Konflikts eindeutig gewesen. "Zu Zeiten der Ost-West-Konfrontation wussten wir immer, wir stehen auf der Seite der Freiheit", sagt er. So einfach sei es heute nicht mehr. Deswegen müsse Politik künftig wieder stärker aus den christdemokratischen Grundwerten heraus erklärt werden.

Zum Abschluss seines Statements kommt er dann aber doch darauf zu sprechen, warum er sich selbst für den besseren Kandidaten hält. Weil er seine ganze Kraft für die Landespolitik einsetzten könne, weil er Zeit habe an der Basis zu sein, aber auch weil er Landesinteressen im Bund vertreten könne.