Auf einer Konferenz mit Kreisvorsitzenden in Berlin haben führende FDP-Politiker die Parteibasis aufgefordert, die Phase der Selbstkritik zu beenden und sich wieder auf die politischen Gegner zu konzentrieren. Viele Funktionäre allerdings sahen das anders: Während der Veranstaltung wurde die FDP-Spitze immer wieder mit harscher Kritik konfrontiert. Manche Delegierte warfen ihrer Parteiführung vor, keine Antworten auf die Vertrauenskrise zu haben.

"Wir haben uns lange mit uns selbst beschäftigt, lange konnten unsere Gegner stärker werden", rief Lindner den Funktionären der Partei zu. Jetzt solle "die Phase der kritischen Selbstbetrachtung enden". "Viel zu lang haben wir die anderen geschont." Auch die politischen Alternativen der FDP seien nicht immer in ausreichendem Maße deutlich geworden.

FDP-Chef Guido Westerwelle rief seine Partei angesichts der vielfachen Kritik an den Liberalen und der jüngsten Querelen zur Standfestigkeit auf. "Es muss eine Partei stehen, wenn sie regieren will", sagte er vor den Kreisvorsitzenden. Er wolle nicht "das als richtig Erkannte zurückstellen, nur weil es Gegenwind gibt. Kaum gebe es Angriffe, "werden wir unsicher", sagte der FDP-Chef. "Eine Partei, die sich von Umfragen weichkloppen lässt, ist nicht erfolgreich."

Der Außenminister und Vizekanzler würdigte zugleich die Erfolge der schwarz-gelben Koalition bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise und griff die Opposition an. Es gebe keine sozialere Politik als Arbeitsplätze zu schaffen durch eine "vernünftige Mittelstandspolitik", sagte er. Westerwelle forderte mit Blick auf die auch von der Opposition gestützten Proteste gegen die Energiepolitik der Bundesregierung und das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" einen "Stimmungswechsel" in Deutschland. Immer nur gegen etwas zu sein, funktioniere auf Dauer nicht.

Auch Fraktionschefin Birgit Homburger rief ihre Partei auf, nach der Serie von Regionalkonferenzen, auf denen über die Lage der Partei beraten worden war, sich wieder mit den Gegnern auseinanderzusetzen. "Ich finde, jetzt sind mal wieder die anderen dran", betonte die Fraktionschefin.

In der Diskussion mit den Kreisvorsitzenden wurde demgegenüber erneut scharfe Kritik am Agieren der Parteispitze laut. "Ihre Realität ist eine andere als meine", hielt der Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes Höxter, Hans-Jürgen Knopff, der Parteispitze mit Blick auf die schlechten Umfragewerte entgegen.

Der Kreisverbandschef von Gütersloh, Michael Böwingloh, kritisierte das Zustandekommen des schwarz-gelben Koalitionsvertrags im vergangenen Jahr als übereilt. Die FDP hätte das Finanzministerium für sich beanspruchen müssen, Westerwelle habe als Außenminister zu wenig Einfluss. Der Vorsitzende des FDP-Bezirks von Berlin-Spandau, Kai Gersch, hielt der Parteispitze vor, sie habe "ein Jahr nicht geliefert".