Das Gezerre um einen Baustopp beim umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 hält Vermittler Heiner Geißler nicht daran, seinen Job als Schlichter aufzugeben. Er halte seine Mission weiter für erfolgversprechend, sagte der frühere CDU-Generalsekretär in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. "Beide Seiten sind einverstanden gewesen, dass ich die Schlichtung übernehme." Er werde seine Pflicht erfüllen.

Die umstrittene Frage, wie umfassend der Baustopp bei dem Bahnprojekt während der Vermittlung sein muss, will Geißler mit dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 besprechen. Trotz der verhärteten Fronten ist der 80-Jährige optimistisch, dass sich Gegner und Befürworter des Bahnprojekts Ende kommender Woche zu einem ersten Schlichtungsgespräch treffen.

"Ich habe mit beiden Seiten geredet. Es ist das ehrliche Bestreben vorhanden, dass wir eine Sach- und Fachschlichtung durchführen." Dies werde zu einer Beruhigung der aufgeheizten Atmosphäre in Stuttgart führen. "Es wird ein Weg der Befriedung sein. Den will ich gehen – und der kann auch gelingen." Wie eine Lösung aussehen könne, wisse er noch nicht. Aber: "Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß."

Seinen Einsatz als Schlichter sieht Geißler auch als Möglichkeit, etwas gegen die angeblich wachsende Politikverdrossenheit in Deutschland zu tun. "Das Problem ist: Die Leute glauben der Politik nicht mehr. Ich will einen Beitrag leisten, dass die Glaubwürdigkeit wieder gestärkt wird", sagte der ehemalige CDU-Generalsekretär.