Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, hält die Proteste gegen das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" für nicht gerechtfertigt. "Ein Widerstandsrecht gegen einen Bahnhofsbau gibt es nicht", sagte Grube der Bild am Sonntag . Das Bauprojekt sei demokratisch ausreichend legitimiert. "Bei uns entscheiden Parlamente, niemand sonst. Unsere frei gewählten Volksvertreter haben das Dutzende Mal getan: im Bund, im Land, in Stadt und Region. Immer mit großen Mehrheiten", sagte Grube.

Grube warnte, dass ein Scheitern von "Stuttgart 21" schwerwiegende Folgen für alle Projekte dieser Art in ganz Deutschland hätte. "Es gehört zum Kern einer Demokratie, dass solche Beschlüsse akzeptiert und dann auch umgesetzt werden", sagte er. "Sonst werden bei uns keine Brücke, keine Autobahn und kein Windkraftpark mehr gebaut." Die Bahn sei daher nach wie vor entschlossen, Bahnhof und Neubaustrecke zu bauen. "Das ist wichtig für die Region und Deutschland", sagte Grube.

Dennoch sei er weiter zu einem konstruktiven Dialog mit den Gegnern des Bahnprojektes bereit, sagte er. "Jederzeit, an jedem Ort. Aber bitte auf der Basis unseres Rechtsstaates".

Grünen-Parteichef Cem Özdemir hält das Projekt dagegen angesichts der jüngsten gewalttätigen Auseinandersetzungen für nicht mehr durchsetzbar. "Stuttgart 21 kann nicht gegen friedliche Demonstranten durchgeprügelt werden", schrieb Özdemir in einem Gastkommentar für Bild am Sonntag . Die Parlamente hätten "in Unkenntnis über die wahren Kosten und Risiken" über das Projekt abgestimmt. Jetzt käme die wirkliche Faktenlage immer mehr ans Licht. "Die vielen Milliarden, die hier verbuddelt werden, werden beim Ausbau des Nah-, Regional- und Güterverkehrs fehlen", sagte er.

Wasserpistolen gegen Wasserwerfer: Bilder aus Stuttgart © REUTERS/Michael Dalder

"Wir brauchen einen Baustopp, dann einen Volksentscheid", forderte Özdemir. Wenn die Befürworter sich ihrer Argumente so sicher seien, sollten sie damit kein Problem haben. "Kein schwäbischer Häuslebauer würde auf Teufel komm raus am Bau festhalten, wenn ihm klar wird, dass es viel teuer und schwieriger wird als gedacht – und ihm am Ende mehr schadet als nützt", schreibt Özdemir.

Am Donnerstag war es bei den seit Wochen andauernden Protesten zur Eskalation gekommen. Nach Behördenangaben wurden 130 Demonstranten bei dem Einsatz der Polizei von Wasserwerfern und Pfefferspray verletzt. Nach Angaben der Demonstranten gab es weitere 280 Verletzte . Auch sechs Polizisten erlitten Verletzungen.

Der bisherige Stuttgarter Kopfbahnhof soll während der insgesamt zehnjährigen Bauzeit durch eine Verlegung in den Untergrund zu einer Durchgangsstation gemacht werden, außerdem soll in Richtung Ulm eine Schnellbahnverbindung entstehen. Die Gegner warnen vor hohen Kosten, negativen ökologischen Folgen und Sicherheitsgefahren durch das Milliardenprojekt.