Für den CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis war die Ansprache des Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit "eine wirklich große Rede". Mit einer Passage allerdings hat Geis so seine Probleme, er hält sie für "ein wenig missverständlich". Er spielt auf die Sätze an, die in der Rede seines Unionskollegen Christian Wulff (CDU) das größte Echo hervorgerufen haben. Deutschland habe eine christlich-jüdische Geschichte, hatte Wulff gesagt, aber auch der Islam gehöre inzwischen zu Deutschland.

CSU-Mann Geis sieht sich nun aufgefordert, einige Sachen klar zu stellen. So wäre er nicht damit einverstanden, wenn der Bundespräsident gemeint habe, dass der Islam wie das Christen- und Judentum zu Deutschland gehöre. Wulff habe das zwar nicht so gesagt, aber so könne man die Aussage deuten. Eine solche Gleichsetzung wäre jedenfalls "falsch und realitätsfern".

Geis sieht auch an anderer Stelle Korrektur-, zumindest Interpretationsbedarf. So habe Wulff die Muslime aufgefordert, sich nach den Regeln der abendländischen Kultur zu richten. Eben das sei die große Aufgabe der Integration. Erst wenn dies gelungen sei, "kann man sagen, dass der Islam zu Deutschland gehört".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm die Rede des Bundespräsidenten zum Anlass, sich erneut zu Fragen der Integration von Muslimen in Deutschland zu äußern. Auch sie richtete einen Appell an diese Einwanderungsgruppe und rief sie dazu auf, sich uneingeschränkt an den deutschen Werten und der Verfassung zu orientieren. "Es gibt hier keine Toleranz gegenüber den Grundwerten unseres Grundgesetzes", sagte die CDU-Vorsitzende.

Wulffs Rede nannte Merkel eine realistische Beschreibung. Sie glaube aber, "dass wir gerade in der Frage: 'Wie ist der Islam und wie wird er bei uns vermittelt?' noch nicht am Ende der Debatte sind". So sei das Bild des Islam in Deutschland stark durch die Scharia, fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau bis hin zum Ehrenmord geprägt. Hier werde die Politik mit großem Respekt vor der Religion, aber auch mit großem Nachdruck durchsetzen müssen, dass der in Deutschland gelebte Islam den deutschen Grundwerten verpflichtet sei. "Darüber muss gesprochen werden. Ansonsten würden Ängste zunehmen und das kann nicht unser Anliegen sein", sagte Merkel.

Als konkrete Maßnahme nannte die Kanzlerin die Debatte in der Islamkonferenz, wo noch viel gearbeitet werden müsse. Die CDU-Chefin erneuerte zudem die Forderung nach einem eigenständigen Religionsunterricht für Muslime, aber auch nach deutsch sprechenden Imamen. "Hier ist noch unglaublich viel zu tun."