Der deutsch-französischen Kompromiss zum EU-Stabilitätspakt hatte in der schwarz-gelben Koalition für Streit gesorgt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der nach einem dreiwöchigem Krankenhausaufenthalt wieder in sein Amt zurückkehrt, verteidigte die Einigung von Kanzlerin Angela Merkel und dem französischem Präsidenten Nicolas Sarkozy. Er sehe keine Alternative zu dieser Vereinbarung, sagte der CDU-Politiker der Bild am Sonntag . "Es gab niemals eine realistische Chance für automatische Sanktionen gegen Defizitsünder."

Deutschland hatte seine Forderung nach automatischen Strafen für Defizitsünder während der Verhandlungen fallen gelassen. Dafür unterstützt Frankreich einen langfristigen Anti-Krisen-Mechanismus. Kritikern aus der FDP und der Union hielt der Finanzminister entgegen: "Deutschland ist nicht umgefallen." Natürlich habe Deutschland seine Vorstellungen nicht zu 100 Prozent durchgesetzt. "Aber wer glaubt, das ginge bei 27 Mitgliedsländern, dem fehlt das Verständnis für Europa", sagte er. Er selbst habe die Gespräche der Kanzlerin mit Sarkozy mit vorbereitet.

Deutschland habe erreicht, dass es mehr Stabilität gebe als bisher und mehr, als viele für erreichbar gehalten hätten, sagte Schäuble weiter. Nach Ansicht des Politikers stellt die Reform des Stabilitätspaktes sicher, dass es einen zweiten Fall Griechenland nicht geben wird.

Damit ist Schäuble vier Wochen früher als angekündigt wieder zurück im politischen Geschehen. Über einen Rücktritt habe er nicht nachgedacht. "Aber ich prüfe mich fortwährend", sagte er der Bild am Sonntag . Er werde sein Amt ausführen, so lange er sich gesund fühle.

Zudem kündigte er an, trotz Wirtschaftswachstum und zusätzlicher Steuereinnahmen nicht von seinem Konsolidierungskurs abzuweichen. "Wenn man auf dem richtigen Weg ist, darf man nicht abbiegen oder umkehren, sondern muss beherzt voranschreiten", sagte Schäuble. "Das sehen alle in der Koalition so."

"Korrekturbedarf" sieht Schäuble allerdings bei der Energie- und Stromsteuer. Es solle geprüft werden, "ob die Auswirkungen für die einzelnen Teile der Wirtschaft tragbar sind". Was bei Änderungen jedoch weniger in die Kassen komme, "muss an anderer Stelle aber wieder gespart werden", stellte Schäuble klar. "Am Gesamtvolumen des Sparpakets wird nicht gerüttelt."

Der Finanzminister geht für dieses Jahr von einer Neuverschuldung von 50 Milliarden Euro aus. Dazu Schäuble weiter: "Das sind zwar deutlich weniger als die im letzten Jahr noch befürchteten 86 Milliarden, aber es ist immer noch der höchste Wert in der Geschichte der Bundesrepublik."

Im ersten Interview nach seiner Erkrankung bezog Schäuble auch Stellung zu der Ablösung von Kanzlerin Merkel. "Die allermeisten in CDU und CSU teilen meine Meinung, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben muss. Sie macht es gut", sagte Schäuble. Zugleich spielte er die Debatte um eine Kanzlereignung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg herunter. Dass Guttenberg die bessere Wahl sei, "glauben nur die Medien". In Wahrheit leide der Verteidigungsminister unter der Debatte.