Ukrainische Chemiker, die Taxi fahren. Irakische Architekten, die Büros putzen und ägyptische Ärzte, die Praktika absolvieren . Fast jeder kennt Geschichten von Migranten, die in Deutschland nicht in ihren gelernten Berufen arbeiten können. Das ist seit Langem ein ernsthaftes Problem für die Betroffenen und seit Neuestem auch für die deutsche Politik.

Das Bildungsministerium schätzt die Zahl der unter ihrer Qualifikation beschäftigten Migranten in Deutschland auf mindestens 300.000. Bis 2050 könnte Deutschland 164 Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaften, würden diese Menschen ihren Qualifikationen entsprechend beschäftigt, hat das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft errechnet. Auf der anderen Seite steht der Fachkräftemangel. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schätzt, dass der deutschen Wirtschaft schon heute 36.000 Ingenieure und 66.000 Computerspezialisten fehlen . Ein Problem, das sich wegen des demografischen Wandels in Zukunft wesentlich verschärfen wird .

Oft scheitert die berufliche Integration von Einwanderern daran, dass es keine einheitlichen Standards für die Anerkennung ihrer Studien oder Berufsausbildungen gibt. Der Staat ist mit den gut ausgebildeten und arbeitswilligen Migranten strukturell überfordert.

Angesichts der boomenden Wirtschaft und den immer lauter werdenden Warnungen von Fachleuten wollen Rainer Brüderle und Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) nun handeln. Mehr oder weniger abgestimmt stellten beide am Montag Programme vor, die der deutschen Wirtschaft helfen sollen, "das Potenzial, das in unserem Land schlummert" zu aktivieren, wie Schavan sagte.

Der Gesetzentwurf aus ihrem Hause sieht unter anderem vor, eine Reihe von bürokratischen Reglementierungen aus dem Weg zu räumen, die besonders Migranten aus Nicht-EU-Ländern treffen. Während viele ausländische Studienabschlüsse von der Zentralstelle für Ausländisches Bildungswesen (ZAB), einer Einrichtung der Kultusministerkonferenz, bearbeitet werden, fehlt es bei nicht-akademischen Berufsausbildungen oftmals an einheitlichen Regeln für die Anerkennung. Das gilt zum Beispiel auch für Ingenieursberufe.

So haben zum Beispiel Handwerker aus Drittstaaten und Spätaussiedler bis heute noch nicht einmal einen Rechtsanspruch darauf, dass sich die zuständige örtliche Handwerkskammer überhaupt mit der Anerkennung ihres Berufsabschlusses beschäftigt. Sie könnten zwar auch ohne einen solchen Nachweis in Deutschland arbeiten, denn sie üben einen nicht reglementierten Beruf aus, für den sie keine Qualifikationsnachweise erbringen müssen. Doch welcher Betrieb würde sie ohne anerkannte Ausbildung einstellen?

Annette Schavans Gesetzentwurf sieht daher einen "Anspruch auf Bewertung und Zertifizierung" ihrer Qualifikationen vor. Auch für sogenannte reglementierte Berufe, wie für Heilpraktiker oder Architekten mit ausländischem Abschluss, soll es eine Erleichterung geben: Wurde bislang im  – für diese Berufsgruppe verpflichtenden – Anerkennungsverfahren festgestellt, dass ihre Ausbildung nur teilweise deutschen Kriterien genügt (zum Beispiel weil ihnen bestimmte Studieninhalte fehlten), wurde diese gar nicht akzeptiert.