Künftig sollen Anwälte, Ärzte, Pfleger, Erzieher und Handwerksmeister das Recht auf Teilanerkennung ihrer Ausbildung erhalten. Sie sollen laut Aussage des Ministeriums über "die im Verhältnis zur deutschen Ausbildung bestehenden Fehlstellen" informiert werden, "damit sie sich entsprechend nachqualifizieren können". Bislang stand dieses Recht nur EU-Bürgern zu.

Zudem will das Bildungsministerium "klare und einheitliche Kriterien" schaffen, nach denen Ämter und Kammern die Qualifikationen von Migranten bewerten. Dazu sollen alle sieben für die verschiedenen Berufsgruppen zuständigen Ministerien am Gesetz mitarbeiten, der Entwurf Schavans sieht nur einen Rahmen für die verschiedenen Bereiche vor. Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte ZEIT ONLINE, der Gesetzentwurf solle "noch in diesem Jahr" im Kabinett behandelt werden.

Das ist ein ehrgeiziges Ziel, ebenso wie die Dreimonatsfrist, die für alle Anerkennungsverfahren ins Gesetz geschrieben werden soll. Bisher warten viele Migranten "zahlreiche Monate", bis sie einen Bescheid erhalten, so Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Arbeitsagenturen ZEIT ONLINE. Das sei für viele ein großes Problem, da angewandtes Berufswissen verloren ginge. " Je länger es dauert, umso schwieriger wird es, wieder in den Beruf zurückzukommen. "

Eine andere Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Kommunikationsagentur Ifok im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bemängelt, dass die Mitarbeiter in den Kammern nach Gutdünken entschieden, ob sie ausländische Abschlüsse anerkennen oder eben nicht.

Diesem Problem will Minister Brüderle mit einem bundesweiten Informationsportal mit Hinweisen zu den Berufsbildungssystemen anderer Länder und deren Vergleichbarkeit mit Deutschland begegnen. Der Auftrag für das Informationsportal wird allerdings jetzt erst europaweit ausgeschrieben. Somit wird es frühestens im Januar starten und soll erst einmal drei Jahre lang als Pilotprojekt laufen.

Bisher werden auch arbeitswillige Migranten im Dunkeln darüber gelassen, ob ihr Berufsabschluss eine Chance auf Anerkennung hat. Sie werden nur über das – positive oder negative – Ergebnis der Anerkennungsprüfung informiert. Auch das soll sich künftig ändern, das Informationsportal soll in Teilen öffentlich zugänglich sein.