"Wir sollten die Debatte um die Rente mit 67 nicht wieder eröffnen", sagte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller dem Spiegel . "Die Rente mit 67 wird erst im Jahr 2029 greifen, und bis dahin werden wir eine Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt erleben, dass auch ältere Arbeitnehmer wieder dringend gebraucht werden." Ähnlich äußerte sich erneut Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Seehofer hatte gesagt, wenn die Firmen nicht begännen, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen, werde er die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre infrage stellen. Die SPD kündigte an, sie werde die CSU beim Wort nehmen und einen entsprechenden Antrag im Bundestag zur Abstimmung stellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Seehofers Position schon zuvor zurückgewiesen. Die Rente mit 67 sei die richtige Antwort auf die Alterung der Gesellschaft und werde umgesetzt, betonte sie.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle plädierte für ein "flexibles Renteneintrittsalter". Die Lebenslage der Menschen sei unterschiedlich: "Einige können nicht mehr, andere wollen unbedingt noch und deswegen muss das Renteneintrittsalter auch flexibilisiert werden."

Die Zahl der Erwerbstätigen in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre ist nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Sie wuchs seit 1999 um mindestens 800 000 auf 3,6 Millionen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit. Es habe sich ausnahmslos um sozialversicherungspflichtige Stellen gehandelt.

Auch sei die Zahl der Arbeitslosen in dieser Altersgruppe stark gesunken: von 950 000 im Jahr 1999 auf 496 000 zehn Jahre später. Die Beschäftigungsquote für Ältere habe zuletzt bei 45,3 Prozent gelegen und sich wesentlich günstiger entwickelt als in anderen Altersgruppen.

Bundesarbeitsministerin von der Leyen will am 17. November einen Bericht zur Rente und zum Arbeiten bis 67 vorstellen. Darin gebe es "mehr Licht als Schatten", hatte sie vor ein paar Tagen gesagt. Die Zahl der über 55- jährigen Erwerbstätigen habe vor zehn Jahren bei 28 Prozent gelegen. Nun seien es 41 Prozent. "Die Älteren sind die Gewinner am Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren, allerdings von diesem niedrigen Niveau aus." Man müsse zudem noch viel tun, um das "Lebensgefühl Arbeiten bis 67" in der Gesellschaft zu verankern.

Die Ministerin sagte der Bild am Sonntag , allein im Krisenjahr 2009 seien 300 000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs für Menschen über 50 entstanden. "Das reicht noch nicht, aber die Wirtschaft erkennt immer mehr, wie sehr sie auch das Erfahrungswissen der älteren Mitarbeiter braucht."

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), kritisierte Seehofer. "Ich halte es für völlig falsch, jetzt die Menschen schon wieder mit einer Debatte über die Rente mit 67 zu verunsichern", sagte er dem Spiegel. Der sozialpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Max Straubinger, sagte: "Es gibt keine Notwendigkeit, an der Rente mit 67 irgendetwas zu ändern."