In der Debatte über Einwanderung und Integration hat der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer seine umstrittenen Äußerungen bekräftigt und konkretisiert. Das Magazin Focus zitiert aus einem Sieben-Punkte-Papier , in dem Seehofer darauf beharrt, dass "Deutschland kein Zuwanderungsland" sei. "Ein prognostizierter Fachkräftemangel kann kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung sein", sagte Seehofer. Den Zuzug Hochqualifizierter hält er für "ausreichend geregelt".

Seehofer betont, dass es "keine Aufweichung der restriktiven Regeln des geltenden Zuwanderungsgesetzes, keine Zuwanderung nach Kontingenten oder Punktesystemen geben" dürfe. Der CSU-Chef spricht sich dafür aus, "Integrationsbereitschaft und Integrationsfähigkeit als zusätzliches Kriterium neben der Qualifikation" einzuführen. Darüber hinaus wolle er das Nachzugsalter für Kinder von 16 auf 12 Jahre herabsetzen. "Je jünger Kinder bei der Einreise sind, desto besser können sie sich integrieren", schreibt der CSU-Politiker und plädiert für eine Änderung der entsprechenden EU-Richtlinie.

Für Integrationsverweigerer fordert Seehofer eine konsequente Anwendung der Sanktionsmöglichkeiten "vom Bußgeld bis zur Leistungskürzung". Auch wer die Integration seiner Familienangehörigen behindert, solle sanktioniert werden. Eine nach wie vor hohe Bedeutung für gelungene Integration misst Seehofer dem Erwerb der deutschen Sprache bei. So fordert er in seinem Sieben-Punkte-Plan, dass der Nachweis der deutschen Sprache bereits im Herkunftsland zu erbringen sei. Integration heiße "nicht nebeneinander, sondern miteinander leben auf dem gemeinsamen Fundament der Werteordnung unseres Grundgesetzes und unserer deutschen Leitkultur, die von den christlich-jüdischen Wurzeln und von Christentum, Humanismus und Aufklärung geprägt ist".

Bereits zuvor hatten Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) entschiedene Kritik an der Position Seehofers geäußert. Von der Leyen sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung : "Die aktuelle Debatte ist leider viel zu sehr geprägt von den Bildern verfehlter Integrationspolitik vergangener Jahrzehnte". Sie betonte, dass seit einigen Jahren mehr Menschen Deutschland verlassen als zuziehen. Daher brauche die Wirtschaft Fachkräfte aus dem Ausland. Auch Schavan warnte in der Welt am Sonntag : "Nicht Einwanderung muss uns aufregen, sondern Auswanderung aus Deutschland. Wenn wir dagegen nichts tun, wird sich der Fachkräftemangel zur größten Wachstumsbremse entwickeln."

Seehofer hatte zuvor in einem Interview gesagt, Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern täten sich schwerer bei der Integration. Daraus ziehe er den Schluss, "dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen". Dies war über Parteigrenzen hinweg als Ausgrenzung kritisiert worden.