Da hat die Union monate- wenn nicht jahrelang debattiert: Ist uns das konservative Profil abhanden gekommen? Wer ist schuld? Und was ist das überhaupt: Konservatismus? Eine Antwort wurde nicht gefunden. 

Vielleicht aber waren die zermürbenden und ergebnislosen Diskussionen auch unnötig. Vielleicht ist es einfacher als gedacht. Vielleicht fehlte der Union nicht ein ausgeklügelter Plan, wie das Konservative wiederzufinden sein, sondern schlicht ein rechtspopulistischer Sprücheklopfer.

Den hat sie nun wieder. Horst Seehofer hat die Rolle bereitwillig übernommen. Bayerns Ministerpräsident hatte am Wochenende im Focus einen Einwanderungsstopp für Türken und Araber gefordert , weil, das sei ja wohl klar, Zuwanderer aus fremden Kulturkreisen sich "insgesamt schwerer tun" mit der Integration.

Geschenkt, dass Seehofer "fremde Kulturkreise" mit Muslimen gleichsetzte, als gäbe es auf der Welt nur die westliche und eben die islamische Kultur. Geschenkt, dass Seehofer nichts dazu sagte, wie niedrig die Zuwanderungsrate aus diesen Ländern inzwischen ist (im Falle der Türkei sogar negativ). Geschenkt, dass Seehofer am Rand zum Rassismus werkelt, mit einigen wenigen Sätzen die erfolgreiche Integration Zehntausender Türken und Araber wegwischt und die Integrationsdebatte um ein paar Jahre in die Vergangenheit katapultiert.

Seehofer interessiert seine Partei und vielleicht auch ein wenig die große Schwester CDU. Die Union hat – in Bayern und im Bund – einen beispiellosen Niedergang hinter sich. In Umfragen liegt sie derzeit bei historisch niedrigen 31 Prozent. Die vielen Abgewanderten werden nicht zurückkommen, bloß weil nun auch die Union eine moderne Familienpolitik betreibt.

Die Partei braucht Protagonisten, die nicht nur in die Mitte hineinrufen. Merkel scheint das begriffen zu haben. Sie hätte Seehofer widersprechen oder zurechtweisen können, sie hätte ihn auf die Frechheit hinweisen können, ausgerechnet in der Woche, in der sie den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan empfängt, ein solches Interview zu geben. Allein, sie hat es nicht getan. Sie hat sogar Seehofers Aussagen zur Zuwanderung als " nachvollziehbar " bezeichnet.

Insgeheim wird sie froh sein, dass sie einen Lautsprecher wie Seehofer hat. Dessen Sprüche nutzen der Partei allemal mehr als eine Konservatismus-Debatte, auf die es ohnehin keine Antwort zu geben scheint.