Den Tod Hermann Scheers bestätigte sein Abgeordnetenbüro in Berlin. Scheer starb demnach am Donnerstagmittag in einem Berliner Krankenhaus. Es sei ein plötzlicher, unerwarteter Tod gewesen. Woran der 66-Jährige starb, ist noch nicht bekannt. Er hinterlässt Frau und Kind. 

Der im hessischen Wehrheim geborene Scheer trat den Sozialdemokraten 1965 bei. Er war seit 1980 Mitglied des Bundestages für die SPD Baden-Württemberg und von 1993 bis 2009 Mitglied des SPD-Bundesvorstandes. 2008 war er im Schattenkabinett von Andrea Ypsilanti als hessischer Wirtschafts- und Umweltminister vorgesehen. Da eine Regierungsbildung scheiterte, wurde aus diesem Posten nichts.

Hermann Scheer war als Verfechter einer Wende in der Energiepolitik anerkannt. Er galt als herausragender Umweltpolitiker seiner Partei und schrieb auch zahlreiche Bücher zum Thema. Als Alternativen zu Atomkraftwerken noch allgemein belächelt wurden, setzte er sich vor allem für Sonnenenergie ein. 1998 erhielt Scheer für sein Engagement den Weltsolarpreis, 1999 den Alternativen Nobelpreis . Er wurde vom amerikanischen Time Magazine als "Hero for the Green Century" (Held des grünen Jahrhunderts) ausgezeichnet. 

In den Achtzigern machte der SPD-Linke sich zudem für eine aktive Friedenspolitik und Abrüstung stark. Im Parteivorstand brachte Scheer Ende der neunziger Jahre den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gegen sich auf, als er die Nato-Offensive im Kosovo als "Kriegsverbrechen" bezeichnete. Schröder meinte seinerzeit sogar, der Abgeordnete gehöre aus der Partei geworfen.

Auch im derzeitigen Konflikt um Stuttgart 21 meldete er sich zu Wort. Der SPD-Abgeordnete trat vor kurzem noch bei einer Demonstration gegen das Milliarden-Bahnprojekt auf und sprach sich für einen Volksentscheid aus.

Die hessische SPD reagierte bestürzt auf den Tod Scheers. "Wir haben ihm sehr viel zu verdanken", sagte Generalsekretär Michael Roth. Scheer habe sich wie nur wenige andere im Wahlkampf gegen die CDU-geführte Regierung in Hessen eingesetzt und dort maßgeblich zum Wahlergebnis der SPD beigetragen. Das Konzept der Energiewende, mit dem die Partei angetreten sei und viel Profil gewonnen habe, sei vor allem auf Scheer zurückgegangen. Zudem habe er sich mit den Grundlagen und Werten der Politik befasst. "Er war im besten Sinne ein politischer Mensch", sagte Roth.

Auch die Grünen äußerten sich erschüttert. "Mit ihm verlieren wir einen leidenschaftlichen Politiker, einen freien Geist, der mit großem Intellekt und aufrechtem Gang für seine Ideale gekämpft hat und nie den 'einfachen Weg' gegangen ist", sagten die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir in Berlin. Als "Vordenker und Architekt des solaren Zeitalters" sei er auf ganz besondere Weise mit den Grünen verbunden gewesen. "Hermann Scheer wird vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern und der deutschen Politik sehr fehlen."