Im Streit um das Bauprojekt Stuttgart 21 gibt es während der Vermittlungsgespräche einen Baustopp. Nach den Worten des als Schlichter eingesetzten CDU-Politikers Heiner Geißler sind damit sowohl Bahn-Chef Rüdiger Grube als auch der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) einverstanden. "Es dürfen keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden, während die Argumente ausgetauscht werden", sagte Geißler.

Inbegriffen in diese Einigung ist auch, dass die Bahn in dieser Zeit keine weiteren Aufträge für Bauarbeiten vergeben darf. Damit werden zentrale Forderungen der Projektgegner erfüllt. Nach den Worten Geißlers hätten sich diese "augenscheinlich oft nicht ernst genommen gefühlt".

Mir liegt am Herzen, dass in der Welt nicht der Eindruck entsteht, dass es bei uns so zugeht wie in der Hafenstraße in Hamburg oder in Kreuzberg in Berlin.
Heiner Geißler zu seinem Vermittlungsauftrag

Die erste Gesprächsrunde soll Ende kommender Woche stattfinden. Geißler kündigte an, dass nun alles auf den Tisch müsse. "Alle Fakten, Zahlen und Einschätzungen müssen zur Sprache kommen und gegeneinander abgeglichen werden."

Der frühere CDU-Generalsekretär wiederholte, dass es "keine Vorbedingungen" geben dürfe, und er betonte, dass "ergebnisoffen" geredet werde, also auch über "Ausstiegsoptionen und Ausstiegskosten".

Geißler besteht aber darauf, dass "diese Schlichtung nicht unbegrenzt sein könne". Die Gespräche sollen möglichst noch vor Weihnachten beendet werden. Allerdings müssten sich beide Seiten noch auf eine entsprechende Frist einigen, sagte der 80-Jährige. Er habe bereits mit dem Ministerpräsidenten, dem Bahn-Chef und den Grünen-Landtagsfraktionschef Winfried Kretschmann gesprochen. Mit Vertretern des Aktionsbündnisses der Stuttgart-21-Gegner stehe ein Treffen indes noch aus.

Über die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde wird seit Monaten heftig gestritten. Das Bauprojekt soll laut Bahn 4,1 Milliarden Euro kosten. Kritiker rechnen mit erheblich höheren Kosten. Zuletzt hatte ein Großeinsatz der Polizei mit Schlagstöcken, Wasserwerfer und Pfefferspray für hitzige Debatten gesorgt.