Vor den Toren der Stuttgarter Liederhalle demonstrierten nach Polizeiangaben am Montagabend rund 2000 Projektgegner gegen Stuttgart 21. In dem Kongresszentrum selbst erklärte Bahnchef Rüdiger Grube derweil einem Baustopp eine Absage. "Es kann und es darf keinen Bau- und Vergabestopp geben", sagte Grube. "Ein Vertrag ist ein Vertrag, und ein Vertrag ist dafür da, dass er erfüllt wird", fügte er vor mehreren Hundert Vertretern von Wirtschaft und Politik hinzu. Somit steht die Schlichtung im Streit um das 4,1 Milliarden Euro teure Vorhaben auf der Kippe.

Die Gegner des Bahnprojekts fordern, dass alle Bauarbeiten in und um den Bahnhof ruhen. Dies ist ihre Bedingung für die Teilnahme an einem ersten Gespräch, das für Ende der Woche geplant ist. Sie wollen sich an diesem Dienstag mit Vermittler Heiner Geißler treffen. Für den wird der Spielraum immer enger. Geißler hatte zuvor gesagt, die oberirdische Verlegung von Rohren für die Regulierung des Grundwassers könne möglicherweise unterbrochen werden. Grubes einziges Angebot an die Projektgegner ist aber, den Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes vorerst unangetastet zu lassen und nicht unbedingt notwendige Aufträge nicht zu vergeben.

Ein Bau- und Vergabestopp würde nach Grubes Worten pro Woche 2,5 Millionen Euro kosten. Er schloss aus, die Grundwasserregulierung einzustellen. Das Fundament für die Halle, in der die Anlagen für die Grundwasserregulierung installiert werden, müsse noch vor der Frostperiode gelegt werden. Ansonsten könne der Bauplan bis zu einem halben Jahr verzögert werden. Die Gleisvorfeldarbeiten könnten mit Blick auf den Fahrplan der Bahn ebenfalls nicht vorübergehend gestoppt werden.

Der Bahnchef erläuterte weiter, dass Kostenkalkulationen nicht offen gelegt werden könnten, da die an Ausschreibungen beteiligten Unternehmen rechtlich dagegen vorgehen würden. Möglicherweise könnten die Unterlagen aber in kleinem Kreise mit der Verpflichtung zur Verschwiegenheit erörtert werden. Grube sagte: "Wir werden alles tun, um den Dialog zu ermöglichen." Zu den Chancen einer Schlichtung sagte er: "Wenn man es nur will, hat es eine Chance."

An der sogenannten Montagsdemonstration nahmen im Schlossgarten nach Angaben der Veranstalter mehr als 30.000, nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen teil. Sie forderten erneut den Rücktritt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU).

Das Aktionsbündnis der Gegner, mit dem sich Geißler heute treffen will, besteht auf einem vollständigen Baustopp. Man dürfe nicht vor der Schlichtung Fakten schaffen, sagte der Stuttgarter Stadtrat Hannes Rockenbauch in der ARD. "Ohne Bau- und Vergabestopp wird es mit uns hinterher keine Gespräche geben", sagte der Linken-Politiker. An den Bahnchef gerichtet sagte er: "Wir fordern einfach mal Grube auf, hier nicht (...) den Rambo zu machen und den Schlichter Heiner Geißler zu demontieren."