Die schwarz-gelbe Koalition ist in der wöchentlichen Forsa-Umfrage auf ein Rekordtief von 33 Prozent gerutscht. Das ist der niedrigste Wert, den Union und FDP je in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts hatten.

Die Union verlor in dem am Mittwoch veröffentlichen Wahltrend von Stern und RTL zwei Punkte und sackte auf 29 Prozent ab. Die FDP sank im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf vier Prozent. Wenn am Sonntag gewählt würde, müssten die Liberalen um ihren Wiedereinzug in den Bundestag bangen.

Die Grünen haben dagegen die Union in den Umfragen fast eingeholt. In der Forsa-Umfrage legen sie erneut einen Punkt zu und erreichen nun 25 Prozent, damit trennen sie nur noch vier Prozent von CDU und CSU. Zum zweiten Mal in Folge liegen die Grünen vor der SPD, für die 23 Prozent der Befragten stimmen würden.

Dank des Höhenflugs der Grünen hätte eine rot-grüne Koalition mit 48 Prozent die absolute Mehrheit. Die Linkspartei verbessert sich um zwei Punkte auf zwölf Prozent.

Angesichts der anhaltend guten Umfragewerte für die Grünen beginnt in der SPD das Nachdenken darüber, ob die Sozialdemokraten als Juniorpartner in eine Regierung mit den Grünen gehen würden. Der baden-württembergische SPD-Vordenker Erhard Eppler sagte über eine solche Konstellation im Stuttgarter Landtag: "Natürlich müssen wir im Fall der Fälle in eine grün-rote Koalition gehen." Die SPD müsse dann über ihren Schatten springen. Das allerdings mit Selbstbewusstsein, sagte Eppler: "Wenn die Grünen den Ministerpräsidenten stellen, sollten wir zwei, drei Schlüsselressorts fordern, etwa das Finanzministerium."

Forsa-Chef Manfred Güllner führt den anhaltenden Höhenflug der Grünen darauf zurück, dass inzwischen auch Wähler aus dem bürgerlichen Lager dorthin abwandern. "Es sind Leute aus der Mitte, die einen Rechtsruck der Union ablehnen", sagte er. Die FDP sei für diese Wähler keine Alternative.

Als Grund für das schwache Abschneiden der Union nannte der Forsa-Chef deren internen Streit über die Rolle des Islam nach der Rede des Bundespräsidenten am 3. Oktober. Der Streit über das Bahn-Projekt Stuttgart 21 bestärke die Menschen zudem im Gefühl, die Politik kümmere sich zu wenig um sie.

Das Meinungsforschungsinstitut befragte in der vergangenen Woche 2500 Bundesbürger, die Debatte um die Äußerungen des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer vom Wochenende wurde also noch nicht berücksichtigt.

In seinen Ergebnissen für SPD und Grüne weicht Forsa häufig von den Ergebnissen anderer deutscher Institute ab, besonders die SPD kommt in Forsa-Umfragen traditionell schlechter weg als anderswo.