Der Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitunganlage La Hague steht vor seiner letzten und schwierigsten Etappe. Auf der Straße sollen die elf Behälter mit radioaktivem Abfall die letzten 20 Kilometer ins Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben gebracht werden. Die dort im Wald gelegene Lagerstätte blockieren mehr als tausend Kernkraft-Gegner. Sie wollen den radioaktiven Atommüll aufhalten, der in Frankreich bei der Wiederaufarbeitung von Brennstäben aus deutschen Atommeilern angefallen ist. "Es sind so gut wie alle über Nacht geblieben und liegen Körper an Körper", schilderte der 30-jährige Castor-Gegner Christoph Höltke aus Köln die Lage am Montagmorgen. Die Organisatoren sprachen von 1600 Teilnehmern.

Mit Verspätung war der Transport am Morgen im Verladebahnhof in Dannenberg eingetroffen , wo ein Kran die Müll-Behälter auf Tieflader hieven soll. Der Wechsel der Castoren auf die Straße soll etwa 15 Stunden dauern. Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätte der Müll bereits am Sonntag Dannenberg und am frühen Montagmorgen Gorleben erreichen sollen.

Die ganze Nacht hatten nahe des Ortes Harlingen etwa 2000 Atomkraftgegner die Bahnstrecke blockiert . Nach Mitternacht begannen Polizisten, die Sitzblockade aufzulösen; erst am Morgen war die Strecke wieder frei. Die Polizei entließ am Vormittag die in der Sammelstelle festgesetzten Demonstranten.

Die Gewerkschaft der Polizei bemängelte die Versorgung der Einsatzkräfte. "Nicht nur über die endlosen Dienstzeiten haben unsere Einsatzkräfte mit Recht Klage geführt, sondern auch darüber, dass sie in der Kälte teilweise nicht oder nur sehr spät mit heißen Getränken oder einer Suppe versorgt wurden", sagte Niedersachsens GdP-Vize Dietmar Schilff. Die GdP ärgert sich auch über die Politik, deren Folgen die Polizisten zu tragen hätten. "Ob in Stuttgart oder heute im Wendland, meine Kolleginnen und Kollegen kommen wegen politischer Fehlentscheidungen nicht mehr aus ihren Einsatzanzügen", sagte GdP-Bundesvize Bernhard Witthaut.

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Die Blockierer vor dem Zwischenlager wollen notfalls auch die kommende Nacht ausharren, um den Transport weiter aufzuhalten. In Gorleben stehen bislang 91 Atommüllbehälter mit größtenteils hochradioaktivem Müll aus der Wiederaufarbeitung. Die Behälter müssen 30 bis 40 Jahre lang abkühlen, bevor sie in ein Endlager gebracht werden können, das es allerdings nicht gibt.

Die Proteste gegen den zwölften Castor-Transport verliefen bislang weitgehend friedlich. Am Samstag hatten laut Veranstaltern 50.000 Menschen in Dannenberg demonstriert, die Polizei sprach von mehr als 25.000. Am Sonntag hatte es vereinzelt Auseinandersetzungen gegeben, als Atomkraftgegner versuchten, am Gleisbett Schotter wegzugraben und die Schienen zu unterhöhlen. Die Polizei ging mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die sogenannten Schotterer vor.

Die Atomkraftgegner befürchten seit langem, dass die Transporte in das Zwischenlager bewirken, dass dieser Ort auch Endlager wird. Verstärkt wurde der Protest durch die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung, die die Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke vor kurzem verlängern ließ.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bezeichnete den Transport auf einer Fachtagung als Notwendigkeit. "Wir haben diesen Strom genutzt. Daraus fallen Abfälle an, die Verantwortung begründen", sagte er. "Dieser kann man nicht entfliehen." Die Grünen wollen den Transport und den Protest noch in dieser Woche im Bundestag thematisieren. Sie beantragten dazu eine Aktuelle Stunde. "Die Castoren zeigen: Die Ruhe in der Atompolitik ist vorbei", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck.