Etwa 92 Stunden nach ihrer Abfahrt in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague sind die Behälter mit deutschem Atommüll im niedersächsischen Gorleben angekommen. Etwa eine Stunde nach dem Start im Verladebahnhof in Dannenberg erreichte der Atommüll das Zwischenlager.

Zuvor hatte die Polizei auf der Zufahrtstraße eine Sitzblockade mit Tausenden Atomgegnern aufgelöst. Eine zwölfstündige Blockade der Straße durch die Umweltorganisation Greenpeace mit einem Lastwagen hatte die Abfahrt in Dannenberg massiv verzögert.

Der Transport war am Freitagnachmittag per Zug in der Nähe von La Hague gestartet. In Dannenberg hievte am Montag ein Kran die elf Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll auf Tieflader, da die letzten 20 Kilometer nach Gorleben auf dem Straßenweg bewältigt werden müssen.

Schienen- und Straßenblockaden stellten die Polizei in diesem Jahr immer wieder vor eine Geduldsprobe. Die Polizei räumte in den letzten Tagen mehrere Blockaden. Allein vor dem Zwischenlager harrten Tausende Castor-Gegner seit Sonntag 45 Stunden lang auf der Straße aus und verbrachten zwei Nächte bei Minusgraden, bevor sie weggeschickt und -getragen wurden.

Vor dem Verladebahnhof in Dannenberg hatten am Montagabend zwei Greenpeace-Mitglieder die Abfahrt der Tieflader mehr als zwölf Stunden verzögert. Sie hatten sich in einem als Bierlastwagen getarnten Lkw an einen Betonblock fixiert. Die Polizei setzte Bohrhämmer und schweres Spezialwerkzeug ein, um die beiden loszubekommen. Zudem räumten die Beamten auch eine Betonpyramide, an die sich Bauern gekettet hatten. 

Der diesjährige Castor-Transport ist der bisher langwierigste in Deutschland. Demonstranten reisten aus ganz Deutschland an, um gegen den Transport und die Atompolitik der Bundesregierung zu protestieren. Der Unmut der Menschen richtet sich vor allem gegen die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke und den Plan, den Salzstock in Gorleben möglicherweise als Atommüll-Endlager auszubauen.  Der zuvor längste Castor-Transport hatte 2008 etwa 79 Stunden gedauert.

Demonstranten wollen künftige Transporte nun noch länger aufhalten. "Die nächste zu knackende Marke sind somit die 100 Stunden", schrieben Castor-Gegner nach Ankunft des Transports im Zwischenlager.

Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft schützen bis zu 20.000 Polizisten den Transport. Wie hoch die tatsächlichen Kosten sind, ist noch unklar. Niedersachsen veranschlagte 25 Millionen Euro und verlangte, dass sich der Bund beteiligt. Der lehnte aber ab.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, machte die Bundesregierung mitverantwortlich für die Intensität der Proteste. Wer den Grundkonsens in der Atompolitik aufgebe, müsse damit rechnen, dass dies in der Gesellschaft zu Konflikten führe, sagte er. Die Polizisten hatten laut Freiberg im Wendland viele Überstunden machen müssen und unter erschwerten Bedingungen gearbeitet.