Es gibt kein gutes Wort für die Stimmung, die in Langendorf herrscht. In den Vorgärten der Backsteinhäuser steht Kinderspielzeug herum, ein paar Bewohner des Dorfes sind am Fahrbahnrand unterwegs. Sie müssen sich hindurchschlängeln zwischen hunderten Polizisten, die jede noch so kleine Seitenstraße bewachen und die Gullideckel zuschweißen. Der Wind pustet ihnen Regenschauer ins Gesicht. Bis zum Mittag wird es nicht richtig hell.

Wenn der Castor-Transport am Sonntag oder später in Dannenberg auf Lkw verladen wird, rollt er entweder hier durch Langendorf oder entlang der Südroute über Gusborn. Nur diese beiden Straßen führen ins Zwischenlager Gorleben. Weil die Polizei alle Orte an den Strecken in Festungen verwandelt, haben die Castor-Gegner den Schienenabschnitt zwischen Lüneburg und Danneberg ins Visier genommen.

"Die Wege im Wendland sind weit, die Schiene ist lang", sagt Mischa Aschmoneit von der Kampagne "Castor Schottern". Auf Plakaten in der ganzen Republik und im Internet haben die Aktivisten dazu aufgerufen, den Schotter auf den Gleisen zu entfernen. Sind die Schwellen unterhöhlt, kann der Zug nicht weiterfahren. Tausende haben sich schon im Voraus online für die Aktion angemeldet.

"Von mehreren Treffpunkten aus werden große Gruppen sich auf den Weg zur Bahnstrecke machen", erklärt Aschmoneit. Ein genaue Uhrzeit mag er nicht nennen, dann wüsste ja auch die Polizei Bescheid: "Es kann im Morgengrauen oder Mittags sein, vielleicht klingelt Ihr Handy auch nachts um eins." Die Kampagnenmacher laden Journalisten ganz offen ein, sie zu begleiten. Nicht nur, weil sie die öffentliche Meinung auf ihrer Seite wähnen, sondern weil sie vermuten, dass die Polizei bei anwesender Presse vorsichtiger agieren wird. "Wir hoffen und erwarten, dass das Geschehen ausreichend dokumentiert wird."

Ein Polizeihubschrauber knattert über den düsteren Novemberhimmel. Hier, im Protest-Camp Gedelitz, lässt sich beobachten, wie sehr sich das Verhältnis von Castor-Gegnern und Medien professionalisiert hat. Es gibt ein Presseteam, das Journalisten in Empfang nimmt, nicht überall sind Foto- und Filmaufnahmen erwünscht. So soll den Protestierern ein Rückzugsraum geboten werden – so viel Privatsphäre, wie angesichts der nur mit Strohmatten abgedichteten Plumpsklos eben möglich ist. Vor allem aber sollen die Blockadeaktionen nicht durch Medienberichte gefährdet werden.