Insgesamt 16.500 Polizisten aus mehreren Bundesländern sichern den Transport der Castor-Behälter aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague, die bis zum Wochenende das Wendland erreichen sollen. Die Atomkraftgegner rechnen in der Region um das Zwischenlager Gorleben mit etwa 30.000 Demonstranten, die Kosten für den Einsatz gehen in die Millionen.

Niedersachsen will dafür den Bund in die Pflicht nehmen. "Wenn der Bund seine völkerrechtliche Verpflichtung erfüllt, aufbereiteten Atommüll aus Frankreich zurückzunehmen, darf er sich um die finanziellen Folgen dieser Pflicht nicht drücken", sagte Innenminister Wolfgang Schünemann. Die Länder hätten einen verfassungsrechtlichen Anspruch darauf, für vom Bund veranlasste, unzumutbare Sonderbelastungen, entschädigt zu werden.

"Ich fordere die Bundeskanzlerin daher auf, die Sonderkosten Niedersachsens für den Transport nach Gorleben von 25 Millionen Euro als eine solche Sonderlast anzuerkennen", sagte der CDU-Politiker. Die Summe umfasst die Kosten für Unterkünfte, Verpflegung, Sachmittel sowie Überstunden der Polizisten.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft und der Bund der Steuerzahler verlangten dagegen von den Energieunternehmen, sich an den Kosten für den Atommüll-Transport zu beteiligen. "Wir fordern eine Sicherheitsgebühr von 50 Millionen Euro von den Atomkonzernen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Atomindustrie jährlich Milliarden Euro Gewinn erziele, die Kosten für die Sicherheit beim Transport von Atommüll aber dem Steuerzahler überlasse. "Die Entsorgung von Brennstäben ist ein Teil des Betriebs von Atomkraftwerken, für den die Konzerne verantwortlich sind."

Laut Wendt kostet der Castor-Transport den Steuerzahler mehr als 50 Millionen Euro. Auch der Bund der Steuerzahler zeigte Sympathie für die Forderung, dafür die Atomkonzerne zur Kasse zu bitten. "Das Verursacherprinzip spricht durchaus dafür", sagte der niedersächsische Landesgeschäftsführer Bernhard Zentgraf.

Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll nach Gorleben soll am heutigen Freitag in Frankreich starten. Die Abfahrt des Sonderzugs vom nordfranzösischen Bahnhof Valognes ist nach Angaben von Atomkraftgegnern am Nachmittag geplant.

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Die elf Spezialbehälter enthalten Abfälle aus deutschen Atomkraftwerken, die von der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in das etwa 1000 Kilometer entfernte Gorleben gebracht werden sollen. In den vergangenen Jahren rollten immer wieder Transporte nach Gorleben. Der Protest dürfte diesmal stärker ausfallen, weil der Bundestag erst vor wenigen Tagen per Gesetz die Laufzeiten der deutschen Atommeiler um durchschnittlich zwölf Jahre verlängerte und damit die zu erwartende Menge des Atommülls erhöhte. Die Kritiker konnte nicht besänftigen, dass die Konzerne einen Teil des Zusatzgewinns an den Staat abführen und sich zudem an einem Fonds für die Sicherheit der Reaktoren beteiligen.

Mit Sorge blicken Beobachter nun ins Wendland , dem ein ereignisreiches Wochenende bevorsteht : Mit Blick auf die zu erwartenden Proteste forderte der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider die Polizei auf, Gewalt nur zurückhaltend anzuwenden. Für die Reaktion des Staates müsse "die Verhältnismäßigkeit der von ihm eingesetzten Zwangsmittel gelten".

Auch Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Initiative .ausgestrahlt sagte, es seien viele Menschen bereit, "begrenzte Regelverletzungen zu begehen". Das seien aber keine Gewalttäter. Auch solche Demonstranten hätten ein Recht darauf, "von der Polizei nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit behandelt zu werden". Stay sagte, alle Gruppen hätten sich darauf verständigt, mit den Protestaktionen keine Menschen zu gefährden