Wir sind wieder wer! Das ist die Botschaft von Karlsruhe. Die CDU hat sich auf ihrem Parteitag im Badischen wieder selbst gefunden. Verschwunden scheinen die Selbstzweifel und bohrenden Fragen, die die Partei bis vor Kurzem quälten: Sind wir auf dem richtigen Kurs? Ist Wolfgang Schäuble ein guter Finanzminister? Musste die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke unbedingt sein? Machen wir eine zu moderne Familienpolitik?

Alles vergessen. Geschafft hat das Angela Merkel. Ihre Rede am Montag hat die Delegierten besänftigt. Die Partei bekam die so dringend erwartete Antwort auf die Frage, was nun eigentlich ihre Identität sei. Es ist allerdings eine Identität, die nicht ursprünglich eine Merkel'sche ist. Für das oberste Ziel, die Geschlossenheit, musste sich die Kanzlerin einmal mehr verwandeln. Die Modernisiererin Merkel trat ab und auf der Bühne von Karlsruhe erschien Merkel, die Konservative. Das gefiel den Delegierten.

Wer allerdings glaubt, die CDU sei nun eine andere Partei, der irrt. Auch wenn die Konservativen jetzt nicht mehr am Rand stehen, sondern die neue Mitte der Christdemokraten sein dürfen, sind die anderen CDUler keineswegs verschwunden.

Gut zu beobachten war dies während der leidenschaftlich geführten Debatte über die Präimplantationsdiagnostik (PID) , der Frage also, ob die Untersuchung von Embryonen auf Erbkrankheiten erlaubt bleiben soll oder nicht. 51 Prozent der Delegierten votierten schließlich für ein Verbot . Unklarer kann ein Signal an die Wähler kaum sein – und das ausgerechnet auf einem Gebiet, das die CDU traditionell als ihres begreift: der Ethik und der Moral.

Noch bemerkenswerter aber ist Merkels Absage an schwarz-grüne Bündnisse . Aus emotionaler Sicht kann man den Schritt sogar verstehen: Die von den Grünen angeheizten Proteste gegen Atomkraftwerke und Stuttgart 21 haben die CDU schwer geärgert. Und das ständige Gerede über die neue Bürgerlichkeit der Grünen-Wähler ist eine latente Gefahr für die Union.

Schizophren ist die Absage dennoch. Nicht nur, weil die CDU auf demselben Parteitag ihren Vorstand mit Norbert Röttgen und Ursula von der Leyen moderner und den Grünen zugänglicher gemacht hat. Sondern die Partei bindet sich auch in einer der heikelsten Phasen ihrer Geschichte an einen einzigen Koalitionspartner. An einen angezählten noch dazu.

Für den schnellen Effekt, die konservativen Grummler in der Partei zu befrieden, hat Merkel sich selbst verbogen und der Partei eine strategische Option genommen. Weitsichtig ist das nicht.