Zum Schluss kommt doch noch Bewegung in den dahinplätschernden CDU-Parteitag . Es ist spät geworden, die Delegierten in der Karlsruher Messehalle sind müde. Vor ihnen stapeln sich ausgetrunkene Papp-Kaffeebecher und das Papier von Schokoladentafeln.

Eigentlich steht noch die Debatte zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) an, ein emotional beladenes Thema – schließlich ist es ein Urthema der CDU, das Recht auf Leben. Es geht darum, ob Ärzte im Reagenzglas erzeugte Embryonen auf Erbkrankheiten untersuchen und auch aussortieren dürfen.

Merkel will die PID verbieten, andere Christdemokraten sie in engen Grenzen zulassen. Nun soll der Parteitag debattieren, doch es ist neun Uhr abends. Nach elf Stunden Parteitag plädiert der Tagungsleiter dafür, dass jeder der noch 20 Redner nur je drei Minuten sprechen darf.

Entrüstung im Tagungssaal. Nur drei Minuten für das schwierige Thema? "Morgen weitermachen", rufen Delegierte. Mehrere offene Abstimmungen über die Tagesordnung bleiben ohne klares Ergebnis. Merkel möchte, dass über die PID "umfassend und ausführlich diskutiert wird" und beschließt ihrerseits: Der Dienstagmorgen sei dafür der bessere Zeitpunkt.

Delegierte murren, sie könne die Tagesordnung nicht einfach ohne Abstimmung ändern. "Dann muss jetzt eben schriftlich abgestimmt werden", ruft die Parteichefin, fast belehrend, ins Plenum. Schließlich folgt die deutliche Mehrheit Merkel. Wie so oft.

Das war der einzige kritische Moment an einem Tag, an dem die CDU einige einschneidende und zukunftsweisende Entscheidungen traf. Doch kontroverse Debatten blieben aus.

So auch die zur Wehrpflicht. Sie auszusetzen, nahmen die 1000 Delegierten zwar mit einigen Gegenstimmen, aber ohne lautstarke Gegenwehr an. Vergessen scheint, dass auch Merkel noch im Frühsommer betonte, sie sei "eine überzeugte Anhängerin der Wehrpflicht". Doch Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat nicht nur sie, er hat auch die Union mit seinem stets gewinnenden Auftreten schon längst von seinem Vorhaben überzeugt.