Der CDU-Parteitag in Karlsruhe hat sich der Linie der Parteispitze angeschlossen und sich gegen Gentests an Embryonen ausgesprochen. Das Ergebnis ist aber denkbar knapp ausgefallen: So votierten 51 Prozent der Delegierten für das Verbot der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID). Der Gegenantrag, der vorsah, die PID in engen Grenzen zulassen, erhielt 49 Prozent der Stimmen. Die Befürworter hatten lediglich einen Vorsprung von 17 Stimmen.

Zuvor hatte der Parteitag intensiv über das Für und Wider dieser medizinischen Praxis diskutiert. Zur Debatte stand ein Festhalten am schon im CDU-Grundsatzprogramm geforderten Verbot der PID oder die Freigabe in engen Grenzen für Paare mit schwerer genetischer Vorbelastung. In ihrem Antrag bekannte sich die CDU grundsätzlich zum Schutz des Lebens und zur unantastbaren Würde des Menschen.

Mehrere Redner unterstützten während der vierstündigen Debatte die Absicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Untersuchung von im Reagenzglas gezeugten Embryos per Gesetz zu verbieten. Für diese Position warben auch Generalsekretär Hermann Gröhe und Fraktionschef Volker Kauder. Dieser warnte vor einer möglichen begrenzten PID-Freigabe: "Wir machen eine Tür auf und wissen nicht, was nach der Tür kommt". Die rheinland-pfälzische Landeschefin Julia Klöckner äußerte Zweifel, dass eine enge Freigabe der PID für schwere Erbkrankheiten umsetzbar sei. Sie könne sich nicht vorstellen, dass der Bundestag über Krankheiten entscheide.

In der Debatte hatten prominente CDU-Politiker wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Familienministerin Kristina Schröder und Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze für die Zulassung der PID geworben, um genetisch vorbelasteten Eltern schwere Schwangerschaftskonflikte zu ersparen . "Wenn ein sehnlicher Kinderwunsch von einer erblichen Krankheit überschattet wird, dann kann die PID das Ja zum Leben stärken", sagte von der Leyen. Es sei ein Widerspruch, wenn Untersuchungen an einer befruchteten Eizelle vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter untersagt, danach aber erlaubt würden.

Hintze sagte, die Untersuchung sei die "menschenfreundliche Alternative zur Pränataldiagnostik im Mutterleib" und deshalb ein "Gebot der humanitären Vernunft". Als absurd kritisierte der Theologe Befürchtungen, die PID könne sogenannte Designerbabys hervorbringen. Wer glaube, die "Sehnsucht nach blauen Augen" werde einen Menschen zur künstlichen Befruchtung treiben, geht an der Lebenswirklichkeit vorbei.

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf Gendefekte untersucht, um gegebenenfalls aussortiert zu werden. Ärzte schätzen die Zahl der betroffenen Paare auf 150 bis 200 im Jahr.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Juli befunden , dass die Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Genschäden mit deutschem Recht vereinbar sei. Die PID ist seitdem hierzulande faktisch erlaubt. Nun wird im Bundestag an einem Gesetz gearbeitet, um rechtliche Grauzonen zu beseitigen. Bei der Abstimmung im Parlament gibt es keinen Fraktionszwang, weil es sich um eine Gewissensentscheidung handelt. Der Parteitagsbeschluss der CDU ist für ihre Bundestagsabgeordneten nicht bindend.