Die CDU-Führung legt den 1000 Delegierten zwei Leitanträge zur Abstimmung vor. In dem einen geht es um mehr Chancengleichheit für Kinder und das Signal nach außen, dass sich die CDU um die Zukunft Deutschlands kümmert. Der andere Antrag ist ein Bekenntnis zu Werten wie Familie, Sicherheit, Recht und Ordnung.

Weitere Themen sind die Aussetzung der Wehrpflicht, Stuttgart 21 und das von Parteichefin Angela Merkel geforderte Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID).

Leitantrag "Faire Chancen für jedes Kind": Die CDU will den Teufelskreis von etwa 2,5 Millionen in Armut lebenden Kindern und Jugendlichen in Deutschland durchbrechen. Ihr Leitbild dafür ist die "Chancengesellschaft". "Kein Kind darf verloren gehen, jedes ist uns gleich viel Wert", heißt es in dem Antrag, der mit drastischen Worten Missstände bei der Betreuung und Förderung von Kindern sozialschwacher Familien und die Folgen für das Land schildert.

Der CDU geht es weniger um finanzielle als um konzeptionelle Fragen. So will sie trotz sinkender Schülerzahlen die Lehrerzahl halten, damit die Klassen kleiner werden. Ferner plädiert sie für ein Schulfach "Lebensfragen" zur Orientierung bei Ernährung, Bildung und Beruf. Alleinerziehende sollen einfacher Unterhaltsvorschuss beantragen können – die Altersgrenze für berechtigte Kinder soll von 12 auf 14 Jahre steigen.

Leitantrag "Verantwortung Zukunft": In dem recht allgemein gehaltenen Antrag betont die CDU-Führung ihre Werte der Familie als Keimzelle einer freiheitlichen Gesellschaft, der Sozialen Marktwirtschaft und die Notwendigkeit einer guten wirtschaftlichen Entwicklung für den Wohlstand des Landes. Das in der Bevölkerung heftig umstrittene Energiekonzept der Bundesregierung mit längeren Atomlaufzeiten wird verteidigt und eine breite Information angekündigt, um ein "Klima des Verständnisses" zu schaffen. Ferner will die CDU mit einer neuen Zuwanderungspolitik mehr Fachkräfte nach Deutschland holen und Integrationsunwillige notfalls abschieben.

Thema Präimplantationsdiagnostik : Sie ist ein heikles Thema des Parteitags. In ihrem Grundsatzprogramm spricht sich die CDU für ein Verbot der PID aus, bei der im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf Erbkrankheiten untersucht und aussortiert werden können. Fehl- und Totgeburten oder die Geburt eines schwer kranken Kindes sollen so verhindert werden. Merkel befürwortet offen das Verbot. Die Bundesministerinnen Ursula von der Leyen, Kristina Schröder und zuletzt auch Finanzminister Wolfgang Schäuble plädieren dagegen für eine Zulassung mit engen Grenzen. Da es sich um eine Gewissensentscheidung jedes Einzelnen handelt, wird mit einer kontroversen, aber von Respekt geprägten Debatte gerechnet.

Die CDU hat am ersten Tag des Delegiertentreffens beschlossen, dass die mehr als 50-jährige Wehrpflicht für junge Männer ausgesetzt wird. Begründung: Die sicherheitspolitische Notwendigkeit ist nicht mehr gegeben. Was im Sommer noch nach Revolution aussah für die Union, die sich jahrelang auch Argumenten wie der fehlenden Wehrgerechtigkeit verschlossen hatte, ging beim Parteitag problemlos über die Bühne. Die CSU hat den Vorschlag von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bereits auf ihrem Parteitag Ende Oktober durchgewunken. Aus dem Grundgesetz soll die Wehrpflicht aber nicht gestrichen werden, damit sie im Notfall einfach per Gesetz wieder eingeführt werden kann. 

Der Kreisverband Stuttgart beantragte, dass sich die Bundespartei ausdrücklich zum umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 bekennt. Die Verlegung des Hauptbahnhofes unter die Erde stärke das umweltfreundliche Transportmittel Bahn. Im September hatte sich Merkel überraschend öffentlich hinter den Bau gestellt und erklärt, die Landtagswahl Ende März sei quasi eine Volksabstimmung. Bei einem Scheitern der CDU in ihrem Traditionsland Baden-Württemberg dürfte es Debatten um Merkels Rolle als Parteichefin und Kanzlerin geben.

Am Wochenende kündigten CDU-Finanz- und Wirtschaftspolitiker an, auf dem Parteitag Signale für Steuervereinfachung zu verlangen. Notfalls werde ein Initiativantrag dazu eingebracht, hieß es. Selbst wenn es nicht dazu kommt, sind doch in der Debatte Wortmeldungen zum Thema Steuern und Steuerentlastung zu erwarten. Verknüpft ist dieses Thema mit der Person von Bundesfinanzminister Schäuble, der innerhalb der Koalition unter Kritik steht.