Klare Worte finden, Spekulationen verhindern. Das wollte Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit seiner Pressekonferenz über die Sicherheitslage am Mittwoch erreichen. Gut drei Tage später gibt das offizielle Informationsgebahren ein gegenteiliges Bild ab. Der Minister und die ihm unterstellten Behörden kommunizieren an mehreren Fronten gleichzeitig. Welche Anschlagsszenarien sind zu befürchten? Liegt ein konkreter Hinweis auf ein geplantes Attentat vor oder hat sich bloß die Zahl der abstrakten Hinweise verdichtet ? Und vor allem: Was hatte es mit der Bombenattrappe auf dem Flughafen in Namibias Hauptstadt Windhuk auf sich?

Gerade dieser Fall zeigt deutlich, wie schwer es dem CDU-Politiker in diesen Tagen fällt, eine klare Kommunikationslinie aufrecht zu erhalten. Nachdem in der Nacht zu Donnerstag eine verdächtige Laptoptasche in Windhuk aufgefallen war, gab das Bundeskriminalamt (BKA) am Morgen eine entsprechende Pressemeldung "über ein sicherheitsrelevantes Ereignis " heraus. Kurz darauf äußerte sich der Innenminister. Es spreche vieles dafür, "dass der Koffer für München bestimmt war", zitierten ihn Nachrichtenagenturen.

Die Fluglinie Air Berlin, die im Zusammenhang mit dem Vorfall genannt wurde, widersprach dem BKA und dem Minister: Die Tasche sei nicht "beim Beladen des Gepäcks in einen Airbus" (BKA-Version) entdeckt worden, sondern habe in der Halle gestanden, als die Maschine bereits beladen gewesen sei.

Am Donnerstagabend meldeten CNN und das ZDF, dass der mögliche Sprengsatz eine Attrappe gewesen sei, wie sie "auch von Regierungen und Sicherheitsbehörden für Testläufe benutzt werde". Auf Nachfragen wollte sich der Minister dazu noch nicht festlegen, er wolle die Untersuchungen der Experten abwarten.

Am Freitag setzte sich dieses Spiel fort. Journalisten spekulierten, wer die Attrappe auf dem Flughafen deponiert haben könnte. Ein westlicher Geheimdienst? Vielleicht sogar deutsche Behörden? Das, sagte der Minister am Mittag, halte er "für sehr unwahrscheinlich" und wolle die Ermittlungen des BKA abwarten. Ein Dementi klingt anders. Spekulationen verhindern zu wollen auch.

Am Rande der Innenministerkonferenz in Hamburg musste de Maizière dann einräumen, er wisse auch nicht mehr als die anwesenden Journalisten und stelle sich dieselben Fragen. Eine erstaunliche Äußerung des ersten Sicherheitsverantwortlichen des Landes, der noch vor zwei Tagen von einer neuen, ernsten Bedrohung gesprochen hat.

Wie nervös alle Beteiligten über die Windhuk-Posse sind, ist auch an den Reaktionen der zuständigen Stellen zu spüren. Eine Sprecherin der Fluglinie Air Berlin sagte ZEIT ONLINE, sie könne nicht sagen, ob Testläufe mit Bombenattrappen zum üblichen Instrumentarium im Luftverkehr gehören: "Das sind sicherheitsrelevante Informationen." Auch das BKA will nicht bestätigen, dass es solche Tests schon einmal gegeben hat und welche deutsche Stelle im Zweifel dafür zuständig wäre.

Auch das alternative Szenario, dass nämlich Sicherheitsdienste anderer Länder den Testlauf inszeniert haben könnten, ohne den Deutschen Bescheid zu geben, wäre beunruhigend. Noch vor kurzem lobten sich die Sicherheitsdienste gegenseitig für ihre hervorragende Zusammenarbeit bei den abgefangenen Paketbomben aus dem Jemen . Die internationale Kooperation der Behörden wurde als wirksamstes Mittel gegen den Terrorismus beschrieben. Ein einseitig durchgezogener Sicherheitstest wäre da ein herber Rückschlag.