Sie wollten ihre Unzufriedenheit mit der Politik der schwarz-gelben Koalition zeigen: Mehr als zehntausend Demonstranten haben in Hannover gegen Sozialkürzungen , die Rente mit 67 und das Sparpaket der Bundesregierung protestiert. Bei einer Kundgebung solidarisierten sie sich zugleich mit den Atomkraftgegnern im Wendland und forderten einen zügigen Ausstieg aus der Atomenergie.

Unter dem Motto "Druck machen – für gerechte Politik – gegen soziale Kälte" hatten die Gewerkschaften und der Sozialverband Deutschland zu der Demonstration aufgerufen. Sie soll der Auftakt von mehreren "Herbstaktionen" sein, die in verschiedenen Städten geplant sind. Nach Angaben der Veranstalter waren trotz Regenwetters weit mehr als 15.000 Menschen auf den Opernplatz gekommen. Die Polizei sprach von über 11.000 Teilnehmern.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, sagte, "der Herbst der Entscheidungen" sei angebrochen. Die Bundesregierung sei "zum willfährigen Helfershelfer der Interessen von Arbeitgebern und Besitzenden" geworden. "Dieses Land braucht einen Kurswechsel", sagte Sommer. Deutschland sei in Schieflage, die schwarz-gelbe Politik zerstöre die soziale Ordnung.

"Es gibt kaum ein Politikfeld, in dem die Regierung nicht Front macht gegen die Mehrheit der Menschen", sagte der DGB-Chef. Auch der Zerstörung regulärer Arbeitsverhältnisse durch den Missbrauch von Leiharbeit, Billiglöhne und Befristungen müsse Einhalt geboten werden. "Wir demonstrieren dafür, dass unsere Interessen berücksichtigt werden und nicht allein die der wirtschaftlich Mächtigen."

Die Gewerkschaft Verdi setzt sich dafür ein, den Generalstreik als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu legalisieren. "Ich finde, dass wir auch in Deutschland ein politisches Streikrecht brauchen", sagte der Vorsitzende Frank Bsirske. "Das Verbot des politischen Streiks stammt von 1955. Jetzt haben wir eine vollkommen andere Situation." Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft warf der schwarz-gelben Bundesregierung eine unsoziale Politik vor und verwies auf den jüngsten Widerstand der Franzosen gegen die geplante Verlängerung der Lebensarbeitszeit : "Von der Protestkultur in Frankreich können wir uns eine Scheibe abschneiden."