Zum Schluss kam noch einmal Jubel auf. Zu den Klängen fetziger Rockmusik zogen die sechs Spitzenkandidaten der Grünen für die Landtagswahlen 2011 auf die Bühne. Die Delegierten waren aufgestanden, um sie minutenlang rhythmisch zu beklatschen, und ihnen so Mut zu machen für die kommenden Wahlkämpfe. Die grüne Parteibasis schwenkte "Auftrag grün"-Schilder.

Aber als die politische Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke in das Klatschen hinein ihrer Basis für einen "Parteitag mit kontroversen Debatten" dankte, da schwang darin durchaus Zweideutigkeit mit.

Denn: Nach zwei Tagen fast lähmend wirkender Parteitagsharmonie in Freiburg hatte die frisch in ihrem Amt bestätigte Grünen-Chefin Claudia Roth am heutigen dritten Tag ihren Rückzug aus dem Kuratorium für die Olympia-Bewerbung der Stadt München bekannt gegeben. Zuvor hatte sich der Parteitag mit einer knappen Entscheidung gegen eben diese Winterspiele ausgesprochen.

Das Konzept für die Bewerbung sei so gar nicht nachhaltig und ökologisch, heißt es in dem Antrag der Olympia-Gegner, die zum Teil aus dem bayerischen Grünen, zum Teil aus anderen Landesverbänden stammen.

Roth, das merkte man schon bei ihrer sehr kurzen Stellungnahme auf der Bühne am Sonntagmorgen, hat dieser Dämpfer deutlich verärgert. Auch bei den zahlreichen Fernsehinterviews im Anschluss des Parteitages wirkte sie nicht wirklich fröhlich, eher konnte ihr Gesicht die schlechte Laune in den Aufnahmepausen kaum verbergen.

Schließlich war Roth vom Grünen-Parteivorstand in das Kuratorium entsandt worden – sie wolle durch ihre Mitarbeit sicherstellen, dass grüne Inhalte bei der Bewerbung gewahrt blieben, argumentierte die Grünen-Chefin.

Aber die Parteiführung hatte offenbar unterschätzt, wie groß die Verärgerung im bayerischen Landesverband über dieses Bekenntnis zu den Olympischen Spielen war. Auch wenn die Grünen im Münchner Stadtrat als Koalitionspartner von SPD-Oberbürgermeister Christian Ude für die Winterspiele sind.

Vor allem aber hat die Grünen-Spitze es versäumt, sich im Vorfeld der Olympia-Abstimmung auf dem Freiburger Parteitag Unterstützung zu organisieren. Und sie verzichtete auf eigene flammende Befürworter-Reden. So verteidigte Roth das Projekt zwar am Nachmittag, abends vor der Abstimmung schickte sie allerdings den grünen Bundestagsabgeordneten Winfried Hermann als Redner vor.

In jedem Fall gibt es nun einige, die munkeln, Roths etwas schlechteres Ergebnis bei ihrer Wiederwahl zur Parteivorsitzenden sei auch auf den Unmut der grünen Olympia-Gegner zurückzuführen. Roth hatte am Samstag 79,3 Prozent der Stimmen erhalten, das waren 3,4 Punkte weniger als zwei Jahre zuvor. Ihr Mitvorsitzender Cem Özdemir fuhr indes 9,3 Punkte mehr ein als bei seiner letzten Wahl und erreichte für Grünen-Verhältnisse fast ein Traumergebnis von 88,5 Prozent.