Möglicherweise ist die heimliche Ursache für die fast schon unheimlich gestiegene Kauflaune der Deutschen gefunden: Tierhalter, ergab eine brandaktuelle Studie, shoppen schon lange vor den Feiertagen was das Zeug hält, denn ihre Lieblinge wollen schließlich mit ihnen feiern. Hundeadventskalender sind fast ausverkauft, Nikolausstiefel mit Leberwurstkeksen werden auch langsam knapp.

Aber wer seinen Hund oder seine Katze wirklich liebt, hat längst selbst gebacken und auch schon das Weihnachtsessen besorgt: Hirschmahlzeit mit Preiselbeeren für Hunde, Leckermenü mit Schrimps und Meeresfrüchten für Katzen. All das, versteht sich, nicht so fett wie das Zeugs für Herrchen, damit es kein Bäuchleinweh gibt, möglichst bio und gentechnikfrei. Lange vorbei die Zeiten, als Hunde (wie der Hund des Verfassers), darauf angewiesen waren, in einer unbewachten Minute hastig den Weihnachtssstollen herunterzuschlingen (keine Sorge: Es ging ihm danach gut):

Zum Fest gibt es nun den Hundeschokoladenweihnachtsmann im attraktiven Geschenkkarton. Sieht aus wie Schokolade, riecht wie Schokolade, schmeckt auch wie Schokolade. Ist aber keine. Sondern Carob . Das enthält kein Koffein und auch nicht die ganzen anderen giftigen Stoffe, die schokoladenessende Frauchen immer so wuschig machen. Ja, selbst die sicherlich zahlreichen Vegetarier unter den Hunden müssen zur schönsten Zeit des Jahres nicht auf Süßkram verzichten, ebenso wenig wie Katzen mit Getreideallergie.

Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den <a href="http://www.zeit.de/themen/serie/index?q=irrwitz-der-woche" target="_blank">irrwitzigen Alltag und irrwitzige Nachrichten</a>; <a href="http://www.zeit.de/themen/serie/index?q=irrwitz-der-woche">lesen Sie hier weitere Folgen seiner Kolumne</a>. © Mark Spörrle

Und unter dem Weihnachtbaum finden sich dann neben dem fast schon obligatorischen Wintermantel oder Festtagskleidchen und dem Latexpüppchen zum Anbeißen auch mal Hundenäpfe aus Karlsbader Porzellan mit Goldauflage. Preis im Spezialhandel um die 900 Euro. Vom gleichen Betrag soll ein Kind unter sechs Jahren, das Hartz IV bekommt, mehr als vier Monate "angemessen" leben können.

Aber solche Gegensätze sollte man erst gar nicht aufmachen, denn für immer mehr Menschen sind Kinder und Tiere im Grunde fast dasselbe. Ja, für immer mehr werden Hund und Katze zum Kinderersatz. Kaum erstaunlich, denn nüchtern betrachtet passt die tierische Ersatzfamilie wesentlich besser zu den heutigen Anforderungen unseres Alltags als das klassische Eltern-Kind-Modell.

Hunde und Katzen werden schneller erwachsen und selbständig. Sie schlafen von Anfang an nachts durch, fangen nicht an zu brüllen, wenn man ihnen morgens die blaue statt der roten Hose anzieht und man muss mit ihnen keine Problemgespräche führen, weil es Ärger mit der besten Freundin gibt. Mit ein bisschen Training lassen sich Hunde und Katzen hervorragend in die Bedürfnisse der Arbeitswelt integrieren: Sie bleiben allein zu Hause, müssen, wenn man wiederkommt, nur schnell mal vor die Tür und dem Nachbarn einen Haufen vor die seine machen. Und der Spaß kostet, abgesehen von der stets sozialverträglichen Hundesteuer, vielleicht irgendwann mal einen Ersatz für das angeknabberte Sofa.