Mit einer kämpferischen Rede hat FDP-Chef Guido Westerwelle den Jungliberalen zu ihrem 30-jährigen Bestehen Mut zugesprochen. "Lasst Euch niemals von Gegenwind beirren", sagte der Außenminister beim Bundeskongress der Jungen Liberalen. Trotz der schwierigen Situation für die FDP müssten die Liberalen mutig für eine zukunftsorientierte Politik kämpfen. "Wer in allem Neuen nur das Risiko sieht, verpasst auch alle Chancen", sagte der FDP-Vorsitzende mit Blick auf massiven Widerstand bei der Gentechnik und dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 .

Die Jungen Liberalen (JuLis) hatten zuvor bei ihrem Bundeskongress die Mutterpartei FDP aufgefordert, endlich zum Reformmotor in der Regierung zu werden. "Nach einem immensen Vertrauensvorschuss bei der Bundestagswahl hat die FDP viele Wählerinnen und Wähler enttäuscht, weil sie zu wenig Inhalte ihres Programms umgesetzt hat", sagte der JuLi-Bundesvorsitzende Lasse Becker. "Da müssen wir nun dringend in die Pötte kommen."

Westerwelle betonte in seiner Rede, es gebe derzeit in Deutschland eine "Dafür-Republik versus eine Dagegen-Republik". Stillstand sei Rückschritt. Auch der ständige Ruf nach Vater Staat helfe nicht weiter, so Westerwelle.

Der Staat solle Rahmenbedingungen setzen, sich aber gefälligst aus dem Privatleben der Bürger heraushalten. "Wir wenden uns gegen die Volksbeglücker in der Politik." Jeder habe ein Recht darauf, sein Leben zu leben, wir er es wolle. Die Selbstbestimmtheit müsse Kern liberaler Politik bleiben. Die FDP sei immer dann gut aus Talsohlen herausgekommen, wenn sie sich auf ihren Markenkern konzentriert habe.

Westerwelle warnte angesichts der "Hochgeschwindigkeits-Globalisierung" vor einem gefährlichen Trend zur Renationalisierung in Europa und der restlichen Welt. Der Rückzug ins Provinzielle und das Erstarken rechtspopulistischer Parteien sei eine Gefahr. Er rief die mehreren hundert Jungpolitiker dazu auf, sich für das "Friedensprojekt Europa" einzusetzen: "Lasst uns für Europa brennen".

In einem Beschluss forderte die FDP-Jugend, dass die Diskussionskultur der Liberalen offener und emotionaler werden müsse. Außerdem müsse die FDP für die Zukunft ihre thematische Breite stärker betonen und ausbauen. "Themen müssen dabei mit Köpfen glaubhaft in der Öffentlichkeit verbunden werden", hieß es. Das Leitmotiv, dass liberale Politik soziale Politik und nah bei den Menschen ist, müsse in Zukunft stärker betont und mit konkreten Handlungsinitiativen untermauert werden. Im Verhältnis zu den Grünen treten die Julis für ein verbales Abrüsten ein. Man müsse sie vor allem inhaltlich stellen, sagte JuLi-Sprecher Johannes Wolf.