Sprengstoffalarm im Regierungsviertel in Berlin: Kurz nach der Explosion mehrerer Paketbomben in Griechenland ist am Nachmittag auch im Kanzleramt in Berlin ein verdächtiges Päckchen entdeckt worden. Die Bundesregierung hat inzwischen bestätigt, dass das Paket tatsächlich gefährlich war. "Die Untersuchungen zeigen, dass der Inhalt zumindest geeignet war, Menschen zu verletzen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es sei aber niemand zu Schaden gekommen, die Sicherheitskräfte hätten "sehr umsichtig" gehandelt.

Nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte das explosive Paket einen griechischen Absender. Es sei vor zwei Tagen per Luftpost von Griechenland nach Deutschland gesendet worden. Die Sendung an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe eine Vorrichtung enthalten "der gleichen Bauart und der gleichen äußeren Erscheinung des Päckchens, das an die schweizerische Botschaft in Athen geschickt wurde". Dort hatte sich am Dienstag eine Sendung selbst entzündet, als Sicherheitsleute sie öffneten. Mehrere Verdächtige wurden dort festgenommen.

Die Bundesregierung schrieb die Sendung der Gruppe "Verschwörung der Zellen des Feuers" zu, die seit 2008 für zahlreiche Sprengstoffanschläge verantwortlich ist. "Bisher waren keine Aktivitäten im Ausland bekannt und ermittelt worden", sagte de Maizière.

Sprecher Seibert bestätigte, dass die Sendung an  Merkel persönlich adressiert gewesen sei. Die CDU-Chefin war seit dem Morgen nicht in ihrem Amtssitz, sondern in Brüssel und kehrte erst am Abend – Stunden nach dem Ende der Bombenentschärfung – nach Berlin zurück. Wie ihr Sprecher weiter sagte, hätten Beamte des Berliner Landeskriminalamts das Päckchen unschädlich gemacht. Nun ermittle das Bundeskriminalamt.

Innenminister de Maizière verwies auf die laufenden Ermittlungen. Die genaue Art des Sprengstoffs sei noch nicht endgültig ermittelt. Dieser hätte aber "nicht unerheblichen Schaden anrichten können". Für einen Zusammenhang mit dem Jemen spreche nichts. Von dort kamen zwei Paketbomben, die Sicherheitsleute nach einem Insiderhinweis in Dubai und einem britischen Flughafen abfingen. Sie waren an jüdische Einrichtungen in Chicago adressiert.

Nach Recherchen der Nachrichtenagentur dpa enthielt die an Merkel geschickte Sendung einen schnell explosionsfähigen Stoff, der Feuer und Brandverletzungen auslösen könne. Eine Rohrbombe soll es nicht gewesen sein. Dies hatte die Süddeutsche Zeitung ebenfalls unter Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise berichtet. Demnach sei der Sprengsatz in einem ausgehöhlten Buch versteckt gewesen.

Nach Informationen des Tagesspiegel soll das Päckchen Schwarzpulver enthalten haben. Fachleute hätten es mit einer Wasserkanone beschossen und unschädlich gemacht. Die Zeitung zitiert einen Sicherheitsexperten vor Ort, wonach bei einer Explosion vermutlich ein Feuer entstanden wäre und die öffnende Person wahrscheinlich Verletzungen erlitten hätte. "Das Ding sah so aus, dass jemand ein Zeichen setzen wollte."  

Nach Angaben von Regierungssprecher Seibert war das verdächtige Päckchen im Kanzleramt bei der üblichen Kontrolle aller eingehenden Postsendungen entdeckt worden. Diese Überprüfung findet nicht in der eigentlichen Poststelle statt, sondern in dem außerhalb des Zentralgebäudes liegenden Postüberprüfungsraum. Es habe "verdächtige Merkmale aufgewiesen, die auf die Möglichkeit eines Sprengsatzes hindeuteten". Daraufhin seien Sprengstoffexperten der Polizei hinzugezogen worden.

Am Dienstag waren in Athen ähnliche Sprengsätze an den Botschaften der Schweiz und Russlands explodiert. An weitere ausländische Botschaften, auch an die deutsche, waren Postbomben adressiert. Sie wurde von der Kurierfirma kontrolliert zerstört, nachdem Mitarbeiter die Annahme wegen eines fehlenden Absenders verweigert hatten. Außerdem wurden in der chilenischen und der bulgarischen Botschaft Paketbomben entdeckt.

Bereits am Montag hatte die Athener Polizei zwei Männer festgenommen. Bei ihnen wurden zwei Briefbomben mit Schwarzpulver gefunden, von denen eine an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert war.