Der Hinweis auf eine für Ende November geplante Attacke sei von einem ausländischen Nachrichtendienst gekommen, sagte Thomas de Maizère auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz. An Plätzen, Straßen und Bahnhöfen soll es verschärfte Kontrollen geben. Der CDU-Politiker kündigte eine "sichtbare Polizeipräsenz" an öffentlichen Orten in ganz Deutschland an. Auch an den Grenzen zu Schengen-Staaten könnte es wieder Personenkontrollen geben. Dort will de Maizière ebenfalls mehr Personal einsetzen.

Die bisher bekannte abstrakte Bedrohungslage für Deutschland habe sich durch Hinweise der Sicherheitsbehörden erhöht, sagte der CDU-Politiker. Seit Mitte 2010 hätten die Fahnder verstärkt Anzeichen, wonach das Terrornetzwerk al-Qaida längerfristig Anschläge in den USA und Deutschland plant, sagte der Minister. Jetzt sprach er erstmals von "konkreten Ermittlungsansätzen". Um die Arbeit der Fahnder nicht zu gefährden, wollte er nicht näher sagen, was er damit meint.

Zu den bisherigen Anzeichen seien "weitere gefährdungsrelevante Erkenntnisse hinzugekommen, die zeigen, dass wir es mit einer neuen Bedrohungslage zu tun haben", erläuterte er. Die Sicherheitsbehörden gingen all dem mit der gebotenen Sensibilität nach.

De Maizière versuchte, Panik entgegenzuwirken."Es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Grund zur Hysterie", sagte er.

Erst vor etwa zwei Wochen vereitelten Sicherheitskräfte Anschläge auf jüdische Einrichtungen in den USA: Terroristen hatten per Luftfracht im Jemen Pakete mit Sprengstoff losgeschickt. Die eine Sendung sollte über der US-Ostküste explodieren. Eines der Pakete hatten Logistiker auf dem Flughafen Köln-Bonn umgeladen, das zweite entdeckten Sicherheitsleute in Großbritannien.

De Maizière hatte nach dem Fund vor weiteren Terrorakten in Deutschland gewarnt und angekündigt, die Kontrolle von Luftfrachtsendungen europaweit stärker zu kontrollieren. Zudem brachte die Koalition ins Gespräch, diese Aufgabe in Deutschland der Bundespolizei zu übertragen.

Großbritannien untersagte nach dem Vorfall sowohl Frachtflüge aus dem Jemen als auch aus Somalia, die Niederlande erließen ein Landeverbot für Frachtflugzeuge und Maschinen mit Post aus dem arabischen Land. Auch Kanada veränderte seine Regeln.

Es gebe ernst zu nehmende Hinweise auf Anschläge in Europa und den USA, hatte de Maizière damals gesagt und Fehler der deutschen Sicherheitsbehörden eingestanden. Bisher war er im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger und Parteifreund Wolfgang Schäuble mit Warnungen eher zurückhaltend gewesen.

Zu den versuchten Paketbombenanschlägen hatte sich al-Qaida im Jemen bekannt und weitere Akte angekündigt. Die beiden Sprengsätze, die Kontrolleure nach einem Hinweis eines Al-Qaida-Aussteigers in England und Dubai abfingen, waren an jüdische Einrichtungen in den USA adressiert gewesen. Die Täter hatten den Sprengstoff in Druckern versteckt.