Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erneut Position für ihren in der Kritik stehenden Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) bezogen. Auf die Frage, wie viel Rückendeckung der Minister in der Partei noch habe, sagte die CDU-Vorsitzende: "Das werden Sie morgen sehen: große. Da bin ich ganz sicher." Schäuble will an diesem Montag bei den Vorstandswahlen der CDU erneut für einen Posten im Präsidium der CDU kandidieren. Vor zwei Jahren hatte er 85,37 Prozent erhalten.

Nach einem Telefonat mit FDP-Chef und Vizekanzler Guido Westerwelle betonte Merkel im koalitionsintern schwelenden Steuerstreit: "Wir haben genau die gleiche Reihenfolge. Wir sagen: Haushaltskonsolidierung, Steuervereinfachung. Und das ist das, was wir im Augenblick leisten können." Ein einfaches und gerechtes Steuersystem bleibe natürlich "immer auf der Tagesordnung für uns. Aber jetzt heißt die Aufgabe erst einmal Haushalt und Steuervereinfachung". Merkel betonte: "Da ist sich die Koalition vollkommen einig, das ist unsere Hauptaufgabe."

Schäuble steht unter anderem wegen seiner Steuerpolitik und dem r üden Umgang mit seinem Sprecher auch parteiintern in der Kritik . Zudem gibt es Diskussionen, ob der seit 20 Jahren querschnittsgelähmte Minister seinem Amt weiterhin gewachsen ist. In den vergangenen Monaten hatte er sich mehrfach wegen einer schlecht verheilenden Wunde ins Krankenhaus begeben müssen.

Mit Blick auf die Kritik aus den Reihen der Konservativen in der Partei sagte Merkel, alle drei starke Wurzeln der CDU – die christlich-soziale, die liberale und die konservative – seien der Parteispitze wichtig. "Und vor allem ist uns das "C" in unserem Namen wichtig." Das werde sie bei ihrer Rede am Montag deutlich machen.

Zu den von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen befeuerten Überlegungen zu einer Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten äußerte sich Merkel zurückhaltend. Diese Möglichkeit sei im Statut der CDU für alle Parteiebenen festgeschrieben. "Ansonsten glaube ich, dass wir im Augenblick andere Probleme haben, zum Beispiel die Frage, wie wir die Wahl in Baden-Württemberg gewinnen." Über eine Urwahl werde "je nach Lage entschieden".

Auf dem Parteikonvent werde die CDU die Weichen für die Arbeit der nächsten Zeit und das Wahljahr 2011 stellen, sagte Merkel. Nach den Regionalkonferenzen der CDU "sind wir kampfesmutig und auch entschlossen", das Signal zu senden, dass die CDU die richtigen Entscheidungen treffe.

Die vergangenen zehn Jahre als CDU-Vorsitzende seien eine "wunderbare und spannende Zeit" gewesen, sagte Merkel. Sie freue sich, dass sie erneut antreten könne. Merkels Wiederwahl an diesem Montag gilt als sicher, offen ist allerdings, ob sie einen Dämpfer erhält. Vor zwei Jahren hatte Merkel knapp 95 Prozent erhalten.