Auf dem Parteitag der Grünen hatten die Deligierten gegen die Bewerbung der Stadt München für die Olympischen Winterspiele 2018 gestimmt und sich damit gegen ihre Parteivorsitzende gestellt. Dass die Grünen "diesem gemeinsamen deutschen Anliegen in den Rücken fallen", sei bedauerlich, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. "Mit dem Ausstieg aus der Olympia-Bewerbung auf solche Chancen für unser Land zu verzichten, halte ich für einen schweren Fehler". Der FDP-Politiker sagte weiter, er werde sich im In- und Ausland unverändert für die Olympischen Spiele 2018 in Deutschland einsetzen.

Trotz ihrer Wiederwahl zur Parteichefin ist das Nein zu Olympia auf dem eigenen Parteitag eine Niederlage für Claudia Roth. Nach der Abstimmung sagte sie, man habe "einmütig" beschlossen, sich als Partei aus dem Kuratorium zurückziehen . Roth saß bisher selbst in dem Gremium, in dem auch Westerwelle, Innenminister Thomas de Maizière sowie SPD- Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier Mitglieder sind. Die Kuratoriumsmitglieder unterstützen das Bewerbungsvorhaben national und international.

Westerwelle kritisiert die Grünen-Chefin scharf für ihren Rückzug in der Olympia-Frage. "Wie viel Ansehen unser Land mit der Ausrichtung internationaler Sportereignisse gewinnen kann, haben wir bei der Fußball-WM 2006 gesehen", sagte er.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin bedauerte die ablehnende Entscheidung seiner Partei. "Das gute Bild einer konzeptionellen Partei wird dadurch nicht befördert", sagte er auf dem Parteitag in Freiburg. "Ich finde es nicht gut, wenn ein Landesverband, der sich nicht einig ist, dies dann der Bundespartei zur Entscheidung vorlegt." Auch äußerte er Zweifel an den Argumenten der Olympia-Gegner: "Zu dem Vorwurf, da würden Hänge künstlich beschneit, kann ich nur sagen: Die Hälfte dieser Versammlung fährt in den Wintersport, und die machen da nicht alle nur Langlauf auf nicht beschneiten Loipen."

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe warf den Grünen vor, mit einer "Anti-Haltung" Deutschland zu schaden. Ihr Freiburger Parteitag habe "einmal mehr bewiesen: Die Grünen sind eine "Gegen-Alles-Bewegung"", sagte er. Sie seien gegen Infrastrukturprojekte wie das Bahnprojekt Stuttgart 21 , gegen bezahlbare und saubere Energie und gegen Olympia 2018 in München. "Gegen soviel Starrsinn ist kein Kraut gewachsen!"

Auf den Bewerbungsprozess soll der Rückzug der Grünen keine Auswirkungen haben. Allerdings stand die Bewerbung auch vor dem Eklat auf dem Grünen-Parteitag unter schlechten Vorzeichen .