Am Mittag war ein Ende der Rednerliste nicht abzusehen: Mindestens 31 Delegierte wollten sich auf dem Bundesparteitag der CDU in Karlsruhe zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) zu Wort melden. Die Tagungsleitung wurde ungeduldig. Nach drei Stunden Debatte sah sie alle Argumente ausgetauscht und beantragte ein Ende der Diskussion. Vergebens: Die Mehrheit wollte weiter diskutieren.

Die knapp Tausend Delegierten sprachen vor allem über die Frage, ob die PID per Gesetz verboten oder in besonderen Fällen und in gewissem Umfang erlaubt werden soll. Ob sich der Parteitag zu einer Empfehlung durchringt, ist unklar.

Eines ist bereits klar in Karlsruhe: Sollte das Thema im Bundestag zur Abstimmung kommen, soll jeder Abgeordnete ohne Fraktionszwang nach seinem Gewissen entscheiden können.

Zum Auftakt sprach sich Generalsekretär Hermann Gröhe – wie  auch CDU-Chefin Angela Merkel –  für ein Verbot der genetischen Untersuchung von im Labor befruchteten Eizellen aus. "Es geht um die unantastbare Würde jedes Menschen. Wo es um ihren Schutz geht, sind wir gefordert", sagte er. Er sehe das Leid von Paaren, die um das hohe Risiko von Erbkrankheiten und eines behinderten Kindes wüssten. Dennoch seien im Falle einer Zulassung noch so enge Grenzen für die PID nicht zu halten.

Im Grundsatzprogramm der CDU ist ein Verbot der umstrittenen Diagnostik vorgesehen. Im Juli hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass Untersuchungen an Embryonen außerhalb des Mutterleibs kein Verstoß gegen das Embryonenschutz sind.

Vor diesem Hintergrund plädierten Christdemokraten wie der Wirtschaftsstaatsekretär Peter Hintze dafür, die PID zuzulassen. Die Diagnostik sei mit deutschem Recht vereinbar. Der frühere Theologe wies auf einen Gegensatz hin: Im Mutterleib sei die Untersuchung des Embryos stets erlaubt, ebenso der Schwangerschaftsabbruch, warum solle das PID verboten werden? "Der Bundesgerichtshof kann das nicht verstehen, ich kann das auch nicht verstehen", sagte Hintze.