Am Wochenende hat die Polizei in Deutschland eine Menge zu tun: Dutzende Fußballspiele müssen begleitet werden, vor dem Atommüll-Lager Ahaus und in Stuttgart sind Demonstrationen angemeldet. Erste Weihnachtsmärkte öffnen. Hinzu kommen jetzt noch die Streifendienste auf Bahnhöfen und Flughäfen seit Innenminister Thomas de Mezière eindringlich vor möglichen Anschlägen warnte.

Wie das höhere Arbeitspensum in den kommenden Wochen zu bewältigen ist, dazu will die Polizei dieser Tage am liebsten nichts sagen. Sie fürchtet, dass zu viel Offenheit der Fahndung nach möglichen Anschlagsplanern schaden könnte. Die anfallenden Aufgaben ließen sich mit den vorhandenen Kräften bewältigen, heißt es knapp aus Direktionen in Dresden, Leipzig, Frankfurt. Eine Sperre für Urlaub oder freie Tage gebe es keine, sagen die Sprecher von Bundes- und Länderpolizeien unisono.

Am Limit arbeiten offenbar nur die Berliner Kollegen der Bundespolizei. Die Arbeitsbelastung sei "außerordentlich hoch", die Kapazitäten seien "nahezu erschöpft", sagt ein Sprecher. Das ist insofern nachvollziehbar, da viele Beamte nahezu übergangslos vom Castor-Einsatz in den Antiterror-Streifendienst gingen. "Wir sind am Rande des Machbaren", heißt es.

Die Bundespolizeizentrale in Potsdam räumt ein, die Einsatzbelastung sei "aufgrund der Sicherheitslage gestiegen". Das Land Berlin passt Dienstpläne bei Bedarf an, von "flexiblen Einsätzen je nach Erfordernissen" ist die Rede. In Frankfurt oder München wird für die nächsten Wochen "die eine oder andere Überstunde" erwartet. "Die Terrorgefahr ist permanent Gegenstand unserer Arbeit", heißt es aus Dresden.

So herrscht in den meisten Polizeiwachen Deutschlands Normalbetrieb, glaubt man den Verlautbarungen. Auf den Weihnachtsmärkten sei man sowieso präsent, ist in vielen Teilen des Landes zu hören. Die Mehrarbeit durch die verschärfte Lage werde in den Arbeitsalltag eingeplant, sagt eine Sprecherin in Leipzig. Der Innendienst wird hier aber zur Ausnahme: "So viele Kollegen wie möglich müssen raus auf die Straße."

Die Polizisten, die jetzt mit Splitterwesten und Maschinenpistolen Streife laufen, sind nur der sichtbare Teil der Sicherheitsmaßnahmen. In Flughäfen, auf Bahnhöfen und an anderen wichtigen Orten werden sie unterstützt von Zivilbeamten. Sie haben die eigentliche Überwachungsarbeit übernommen, zu deren Details sich die Behörden aus taktischem Grund ausschweigen.

Die auffälligen Streifengänger sollen vor allem das Gefühl von Sicherheit vermitteln und Ansprechpartner für besorgte Bürger sein. Schließlich hatte der Bundesinnenminister die Bürger zur Wachsamkeit aufgerufen, als er vor zwei Tagen über die erhöhte Anschlagsgefahr informierte. Berlins Innensenator Ehrhart Körting warnte dazu vor "seltsam aussehenden Menschen" –, was der SPD-Politiker mittlerweile bedauert.