CDU-Präsidiumsmitglied und Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich den Befürwortern von Gentests an Embryonen in engen Grenzen angeschlossen. Vor Beginn des Bundesparteitags machte Schäuble deutlich, dass er das von Parteichefin Angela Merkel geforderte strikte Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) ablehnt. In der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor ihrer Einpflanzung in den Mutterleib auf Erbkrankheiten untersucht und können so aussortiert werden.

Peter Hintze (CDU), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Verfasser des Antrags für eine begrenzte Zulassung der PID, sagte: "Wolfgang Schäuble hat den Antrag unterschrieben. Für mich bedeutet das einen starken moralischen und intellektuellen Rückhalt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor der Debatte über Gentests an Embryonen auf CDU-Parteitag Respekt für Kritik an ihrer Forderung nach einem kompletten Verbot gezeigt. "Man wird nicht einfach sagen können: Das ist christlich und etwas anderes ist nicht christlich", sagte die CDU-Chefin. "Ich möchte, dass die PID insgesamt nicht erlaubt wird, aber ich habe auch Respekt vor der Meinungsfindung anderer."

Merkel verwies auf die Möglichkeit, dass es ähnlich wie bei der Debatte über Spätabtreibungen "nochmal eine Beratung" geben könne. In der Sitzung des CDU-Bundesvorstands seien "sehr viele Gemeinsamkeiten" deutlich geworden. "Das wird auch im Antrag zum Ausdruck kommen."

Sowohl Befürworter als auch Gegner der PID setzen auf eine Entscheidung des Parteitags an diesem Montag. In einem Vorschlag soll ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik oder deren Zulassung in engen Grenzen zur Abstimmung stehen sowie als Alternative eine Vertagung. Das würde de facto bedeuten, dass die Partei vor der anstehenden Bundestagsentscheidung keinen Beschluss mehr über die PID fasst. "Keiner macht sich hier die Entscheidung leicht", sagte Merkel. Sie könne aber das Ergebnis nicht vorwegnehmen.