Selbst Lob für Angela Merkel half Horst Seehofer nicht. Dabei bemühte sich der bayerische CSU-Ministerpräsident am Dienstag auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe doch so, seine Schwesterpartei und deren Vorsitzende anzusprechen.

Er, der in den vergangenen Monaten vor allem mit Querschüssen gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung und damit auch die Kanzlerin auffiel, sagte Sätze wie: "Wir haben die Krise besser überwunden als alle anderen und deshalb ist dies unser Aufschwung, es ist der Aufschwung von Angela Merkel." Mehrmals rief er: "Danke, Angela Merkel", lobte die "sozialen Entscheidungen" der Kanzlerin. Sagte ihr gar eine enge Zusammenarbeit in der Frage nach Steuersenkungen zu – die Merkel allerdings kürzlich schon beantwortet hatte .

Doch der Applaus der CDU-Basis blieb verhalten und zum Ende der Rede versiegte er fast völlig. Einmal mehr hatte ihm der Bundeswehr-Reformer Karl-Theodor zu Guttenberg, der am Vorabend bejubelt worden war, die Schau gestohlen. Seehofer indes scheint mit seinen polarisierenden Aussagen noch nicht einmal mehr die CDU-Basis in Wallungen bringen zu können.

Allerdings hat sie auch nicht jeder mitbekommen: Viele Delegierte hatten sich während Seehofers Ausführungen in die Mittagspause verabschiedet.

Dabei war Seehofers Rede vom CDU-Tagungspräsidenten noch hoffnungsfroh als "Höhepunkt des heutigen Parteitages" angekündigt worden. Doch wie schon vor zwei Wochen auf dem Parteitag der CSU konnte der bayerische Ministerpräsident diese Erwartungen nicht erfüllen.

Im Gegenteil. Als der CSU-Ministerpräsident sagt, es sei wichtig, Politik "nicht nach Schlagzeilen zu machen", sorgt er für spöttisches Gelächter unter den Delegierten. Man erinnert sich noch gut an die fortwährenden Störmanöver aus Bayern. In der Gesundheitspolitik, zum Beispiel.