Schon ab dem 1. Juli 2011 sollen nach dem Willen des Verteidigungsministeriums keine Wehrpflichtigen mehr eingezogen werden. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte, er halte dies für verantwortbar und für richtig. Dementsprechend richte er auch seine Planungen für die Truppe aus.

Die Streitkraft will er von derzeit etwa 250.000 Soldaten auf 180.000 bis 185.000 Soldaten reduzieren. Ein solcher Umfang trage den Anforderungen an die Armee Rechnung, sagte Guttenberg. Dies gelte "selbstverständlich unter der Voraussetzung hinreichender Finanzierung", fügte der CSU-Politiker hinzu. Mit dieser Zahl geht Guttenberg über die von seinem Ministerium ursprünglich genannte künftige Mindestgröße von 163.500 Soldaten hinaus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte bei einem gemeinsamen Auftritt mit Guttenberg am Rande einer Kommandeurstagung in Dresden Gesprächsbedarf an. Sie verwies darauf, dass es im kommenden Jahr durch den verkürzten Abiturjahrgang mehr Schulabgänger als üblich gibt. Das müsse mit den Folgen der ausgesetzten Wehrpflicht abgeglichen werden, sagte Merkel.

Guttenberg bereitet derzeit einen grundlegenden Umbau der Bundeswehr vor, um die Sparvorgaben von 8,3 Milliarden bis 2014 erfüllen zu können. In Dresden trifft sich die Führungsriege der Bundeswehr, um zwei Tage lang über die Reform zu beraten. Merkel sagte den Generälen, sie hätten die Chance, "Symbol für die Veränderungsbereitschaft" in Deutschland zu werden. "Sie können ein wirklich wesentlicher Teil eines modernen und starken Deutschland sein", sagte die Kanzlerin.

Ausdrücklich unterstützte die CDU-Chefin Guttenbergs Plan, die Bundeswehr zu einer Einsatzarmee umzubauen. Zwar dürfe man nicht alle Korrekturen am derzeitigen Engagement in Afghanistan ausrichten, sagte sie. Auslandseinsätze müssten aber in der künftigen Struktur eine stärkere Bedeutung haben. Ein erster Schritt der Regierungskoalition war, die Wehrpflicht auszusetzen. Guttenberg rief die Bundeswehrspitze zu einer offenen Diskussion über die geplante Reform auf.

Unklar ist unter anderem noch die künftige Führungsstruktur oder die Zahl der bleibenden Standorte. Eine Kommission unter Führung des Chefs der Bundesagentur für Arbeit hatte dazu bereits detailliert Vorschläge gemacht. Guttenberg will sie bis zum Januar prüfen und dann seinen Reformplan in allen Einzelheiten vorlegen.

Die FDP befürchtet bei der Bundeswehr einen Fachkräftemangel. Auslöser seien die wegfallende Wehrpflicht, der Fachkräftemangel in der Wirtschaft und die demografische Entwicklung, heißt es in einem Diskussionspapier der FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff, aus dem die Financial Times Deutschland zitierte. Der Bund müsse schnell dafür sorgen, dass die Bundeswehr attraktiver werde. Gehaltsgefüge und Weiterbildungsmöglichkeiten müssten sich verbessern, die Arbeit bei der Bundeswehr familienfreundlicher werden. Um die notwendigen Finanzierungsspielräume zu erhalten, solle der gesamte Verteidigungshaushalt auf den Prüfstand.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte, vieles in den Vorschlägen Guttenbergs sei vernünftig. Zur Finanzierung der Reform sei von der Regierung aber so gut wie nichts zu hören: "Hier drückt sich nicht nur der Minister, hier drückt sich auch die Kanzlerin."