Seit Mitte der neunziger Jahre gibt es innerhalb des Deutschen Bundestags eine ganz besondere Form der Ehrbezeugung: Wie der Berliner Kurier berichtet, haben die Fraktionsspitzen der im Bundestag vertretenen Parteien eine Regelung getroffen, wonach in jeder Legislaturperiode etwa 30 Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, kurz: Bundesverdienstkreuze, an die Abgeordneten verliehen werden. Die Verabredung sei mündlich erfolgt. "Damit bloß kein schriftliches Dokument an die Öffentlichkeit gelangt", zitiert das Blatt einen nicht näher genannten Spitzenfunktionär.

Eine Bundestagssprecherin bestätigte dem Kurier die pauschale Verteilung der Verdienstorden. "Die jeweiligen Parteien sollen dabei in einem ausgewogenen, ihrer Fraktionsstärke entsprechenden Verhältnis berücksichtigt werden", sagte sie der Zeitung.

Demnach schlagen die Fraktionen Bundestagspräsident Norbert Lammert ihre Favoriten vor. Der CDU-Politiker leitet diese dann an den Bundespräsidenten weiter, der formell prüft, ob etwa Kriterien wie ein "erhebliches ehrenamtliches Engagement" und "langjährige Zugehörigkeit" zum Bundestag vorliegen. Allerdings ist laut Kurier noch nie ein Antrag abgelehnt worden.

Der Parteienrechtler Hans Herbert von Arnim nannte die pauschale Ehrung von Abgeordneten eine "unglaubliche Anmaßung". Dem Kurier sagte er: "Es ist schon schlimm genug, dass die Parteien sich bei den staatlichen Posten und Finanzen ungeniert bedienen. Mit der Parteipolitisierung der Ordensverleihung machen sie sich den Staat vollends zur Beute." Dies sei ein Hohn für all diejenigen, die den Orden wirklich verdienten.

Das Bundesverdienstkreuz wurde 1951 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet. Seitdem wurde die Auszeichnung etwa 240.000 Mal verliehen.